Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 16.11.2019


Bezirk Landeck

Bundesheer-Einheit Jahres kommt aus Landeck

Die 80 Mann starke Kaderpräsenzeinheit des Jägerbataillons 23 wurde vom Bundesheer zur österreichischen „Einheit des Jahres 2019“ gekürt. Stationiert ist das Kommando in Landeck.

Die Kaderpräsenzeinheit ist auch nach Lawinenabgängen immer wieder im Einsatz.

© BundesheerDie Kaderpräsenzeinheit ist auch nach Lawinenabgängen immer wieder im Einsatz.



Von Matthias Reichle

Landeck – Hinter ihm und seiner Truppe liegen einige stressige Jahre – Hauptmann Christian Maier kommt aber auch dieser Tage nicht wirklich zur Ruhe. In der kommenden Woche wird er den Wetterbericht wahrscheinlich noch genauer verfolgen als sonst. „Die Situation kann sich schnell ändern“, war er sich gestern sicher. Seine Truppe – die 80 Mann starke Kaderpräsenzeinheit des Jägerbataillons 23 – rückt nämlich auch dann aus, wenn es Lawinenkatastrophen gibt. In den letzten beiden Wintern mit Warnstufe 5 war man besonders gefordert.

Das gehört zum Job. „Wir sind für kurzfristige Einsätze vorbereitet – wir haben einen hohen Bereitschaftsgrad und einen hohen Personalstand“, erklärt der Kommandant das Prinzip seiner Einheit, die ausschließlich aus Berufssoldaten besteht und zum Großteil von der Landecker Kaserne aus operiert. Sie sind auf den Kampf im Hochgebirge trainiert und auf Auslandseinsätze spezialisiert – in den letzten Jahren erfüllte man aber ganz andere Aufgaben. Im Herbst 2015 zum Beispiel sorgte die Einheit sechs Monate lang für den Transport der Flüchtlinge von Kufstein nach Rosenheim. „Wir haben 1000 pro Tag über die Grenze gebracht und den deutschen Behörden übergeben“, erzählt der Kommandant. Logistisch sei das eine besondere Aufgabe gewesen. 2017 war man dann im sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz am Brenner unterwegs

Hauptmann Christian Maier bekam für seine Kompanie die Auszeichnung „Einheit des Jahres“ verliehen.
Hauptmann Christian Maier bekam für seine Kompanie die Auszeichnung „Einheit des Jahres“ verliehen.
- Bundesheer/Harald Minich

In dieser Woche durfte Maie­r nun stellvertretend für seine Kameraden eine hohe Ehrung entgegennehmen. Die Kompanie wurde vom Österreichischen Bundesheer zur „Einheit des Jahres 2019“ gekürt. Die Auszeichnung, die am Dienstag im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien verliehen wurde, freut den Landecker besonders: „Wir bekommen derzeit extrem viel Lob.“ Ein positiver Nebeneffekt sei, dass „die Landecker Kaserne wieder mehr in den Fokus kommt“. Denn viele wüssten gar nicht, was man außerhalb der Katastrophenfälle für Aufgaben erfüllt. Von Oktober 2018 bis April 2019 zum Beispiel war man im Auslands­einsatz im Kosov­o, diesen Herbst nahm die Trupp­e an einer europäischen Übung in Bosnien teil.

Fast wäre im Trubel des Festaktes allerdings untergegangen, dass da Tiroler ausgezeichnet worden sind – Maiers Einheit wurde nämlich der Kaserne in Bludesch zugerechnet. „Wir sind eine gemischte Kompanie“, klärt er auf. Das Kommando der Kaderpräsenzeinheit und ein Zug mit 60 Soldaten sind in Landeck stationiert, die meisten davon kommen aus dem Oberland. Darüber hinaus gibt es einen Kampfunterstützungszug in Bludesch mit 20 Soldaten.

Gerade der Bundesheer­standort in Landeck war in den vergangenen Jahren immer von Schließungsplänen betroffen. „In letzter Zeit gibt es keine Kasernendiskussion mehr“, so Maier. Es wäre unverantwortlich, wenn man die Kaserne schließt, ist er sicher. „Gerade im Katastrophenfall ist sie ein wichtiger Angelpunkt.“