Letztes Update am Di, 03.04.2012 21:30

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesellschaft

Islamisten in Lyon wollten jüdischen Richter entführen

Nach der Attentatsserie von Toulouse geht die französische Justiz unnachgiebig gegen eine Gruppe von Islamisten wegen terroristischer Aktivitäten vor.



Paris – Einige der 13 Verdächtigen hätten die Entführung eines Untersuchungsrichters geplant, sagte der für Terrorismus zuständige Staatsanwalt von Paris, Francois Molins, am Dienstag. Gegen die Verdächtigen sollte ein formelles Ermittlungsverfahren eingeleitet werden.

Die Islamisten sollten noch am Dienstag einem Untersuchungsrichter vorgeführt werden, der über das Ermittlungsverfahren entscheiden muss. Den Verdächtigen, darunter der Anführer der bereits verbotenen Islamistengruppe Forsane Alizza, Mohammed Achamlane, wird die Bildung einer terroristischen Vereinigung sowie illegaler Waffenbesitz vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft beantragte Untersuchungshaft für neun der 13 Männer. Die Verdächtigen waren zusammen mit weiteren Islamisten bei einer groß angelegten Razzia in mehreren Städten Frankreichs am vergangenen Freitag festgenommen worden.

„Aufrufe zum Heiligen Krieg“

Staatsanwalt Molins sagte, zu den Vorwürfen gegen die Gruppe zähle der „geistige Plan“, einen Untersuchungsrichter in Lyon zu entführen. Dies sei bei einem Treffen im September 2011 besprochen worden, doch sei mit der „Ausführung“ nicht begonnen worden. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen handelt es sich um einen jüdischen Untersuchungsrichter, der für den Fall eines der Verdächtigen zuständig war, der 2010 im Zusammenhang mit der Vernachlässigung seiner Kinder zu einem Jahr Gefängnisstrafe verurteilt worden war.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden die Islamisten festgenommen, um zu verhindern, dass sie „zur Tat schreiten“. So habe es „körperliche Trainings“, „Aufrufe zum Heiligen Krieg“ und jüngst auch ein Verhalten gegeben, um Aktivitäten geheim zu halten. Die für den Fall zuständigen Untersuchungsrichter hätten daher kein Risiko eingehen wollen. Die Opposition hatte kritisiert, dass die Islamisten wenige Wochen vor der französischen Präsidentenwahl festgenommen worden seien, obwohl gegen sie bereits seit dem vergangenen Jahr ermittelt wird.

Die Rolle eines „Koordinators“ der Islamisten spielte laut Staatsanwaltschaft Achamlane. Bei ihm waren bei der Razzia Kalaschnikows, eine Pistole und eine Handgranate gefunden worden. Achamlane wies „jeglichen Entführungsplan strikt“ zurück, wie sein Anwalt Benoit Poquet erklärte. Auch dem Vorwurf einer „terroristischen Vereinigung“ widerspreche Achamlane ganz klar. Poquet erhob ebenfalls den Vorwurf, dass das gesamte Vorgehen der Justiz politisch gesteuert sei, um „Wählerinteressen“ zu befriedigen.

Sarkozy: „Extrem ernste“ Hinweise auf geplante Tat

Präsident Nicolas Sarkozy hob im Canal+ hervor, es gebe „extrem ernste“ Hinweise, die von der Polizei gegen die Islamisten zusammengetragen worden seien. Er bekräftigte, dass in den nächsten Wochen weiter gegen solche Aktivitäten vorgegangen werde.

Staatsanwalt Molins betonte, der Schlag gegen die Islamisten habe „keine Verbindung und keinen Bezug“ zu den Ermittlungen von Toulouse. Der 23-jährige Mohamed Merah, der sich als Mitglied des islamistischen Terrornetzwerkes Al-Kaida bezeichnete, hatte im südfranzösischen Toulouse und im nahegelegenen Montauban insgesamt sieben Menschen erschossen, darunter drei Kinder und einen Lehrer vor einer jüdischen Schule. Molins betonte, die Verdächtigen von Forsane Alizza hätten nie Kontakt zu dem Attentäter und dessen Bruder gehabt. (APA/AFP)




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