Letztes Update am Fr, 04.04.2014 06:57

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesellschaft

Rafter fürchten um Existenz

„Den Todesstoß für das Rafting im Oberland“ fürchtet der Tiroler Raftingverband durch verschiedene Kraftwerksbauten. Die Tiwag glaubt an ein Nebeneinander.



Von Matthias Reichle

Imst, Landeck – „Restwasserjunkies“, so bezeichnet Hansi Neuner die Abhängigkeit von jedem zusätzlichen Tropfen im Inn. Wie der Tiroler Raftingverband, mit dem der Geschäftsführer der Area 47 gestern gegen verschiedene Kraftwerksbauten im Tiroler Oberland auftrat, will auch er sich das „Wildwasser-Eldorado Tiroler Oberland“ nicht nehmen lassen: „Wir haben berechtigte Existenzangst – vor allem die Sorge, dass das, was wir in 35 Jahren aufgebaut haben, mit einem Schlag weg ist“, appellierte er gestern an die Kraftwerksbauer – allen voran die Tiroler Wasserkraft.

Geplante Kraftwerksbauten betreffen die Ötztaler Ache mit der Überleitung des Wassers ins Kaunertal, den Inn von der Schweizer Grenze bis Prutz, von Imst bis Haiming sowie die Sanna. „Wir haben das Problem, dass die Tiwag das Wasser für die Wirtschaftlichkeit ihrer Kraftwerke braucht, und wir für die Wirtschaftlichkeit unserer Raftingunternehmen“, betonte er. Wie man beides zusammenbringt, dafür gebe es momentan keine Lösung – Neuner glaubt vielmehr, dass es der „Todesstoß für das Rafting im Oberland“ sein wird, wenn nur noch ein Restwasser in den ehemals wasserreichen Bächen und Flüssen bleibt.

Um zu „zeigen, was auf dem Spiel steht“ – so Lois Amprosi von der Wirtschaftskammer –, hat der Raftingverband in Zahlen gegossen. 15 von 22 Unternehmen haben dazu Daten geliefert, der Rest wurde geschätzt, erläuterte er. Die Tiroler Raftingunternehmen haben im letzten Jahr 9,1 Mio. Euro umgesetzt und 600 Mitarbeiter – umgerechnet 306 Ganzjahresarbeitsplätze – beschäftigt. In der Imster Schlucht, entlang der Ötztaler Ache, der Tösner Schlucht und der Sanna beförderten sie in Summe 110.000 Rafter.

Die Outdoor-Unternehmen haben dabei selbst Gäste beherbergt bzw. direkt bei Hotel- und Pensionspartnern für sie gebucht, so Amprosi – 198.000 Übernachtungen wurden dabei gezählt und 7,9 Mio. Euro umgesetzt. Weiters wurden die Umsätze geschätzt, die dabei direkt generiert (10,1 Mio. Euro) wurden, und die Umsätze, die zusammenkommen, weil die Region als Urlaubsdestination profitiert (11,4 Mio. Euro). Man spricht von einer regionalen Wertschöpfung von mehr als 38,5 Mio. Euro, so Amprosi. „Sollten die Kraftwerke gebaut werden, wird es den Sport, wie er in den letzten 35 Jahren betrieben wurde, nicht mehr geben“, betonte auch der Obmann des Raftingverbands Marcel Pachler, der wie Neuner derzeit keine Lösung für ein Nebeneinander sieht – „Illusorisch“, so Neuner. Für Lösungen von der Tiwag ist er aufgeschlossen.

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Unterstützung bekamen die Rafter auch aus den betroffenen Regionen: „Der Wildwassersport ist ein Aushängeschild für unsere Region“, betonte unter anderem die Geschäftsführerin des Tourismusverbands TirolWest, Andrea Weber – sie hat „Angst, dass der Zweig im Keim erstickt wird.“

Als richtigen Schritt bezeichnete es auch der Imster Bürgermeister Stefan Weirather, jetzt als Unternehmen zu sagen, „wir haben Angst“. Es sei wichtig, dass der Sport erhalten bleibe – gleichzeitig betonte er auch die Notwendigkeit von Kraftwerken.

Für den Roppener Bürgermeister Ingo Mayr, selbst Raftingführer der ersten Stunde, war hingegen klar: „Wenn der Kompromiss zwischen Raftern und Stromerzeugung so aussieht, dass die Tiwag kein wirtschaftliches Kraftwerk betreiben kann, aber auch die Outdoor-Unternehmen nicht wirtschaften können, dann bin ich für ein klares Nein zum Kraftwerk.“

An ein Nebeneinander glaubte hingegen Tiwag-Projektleiter Wolfgang Stroppa, der bei der Pressekonferenz Zaungast war. „Es gibt trockene Jahre und nasse Jahren – in nassen Jahren wird das Raften kein Problem sein.“ Die Tiwag sei auch bereit, auf Wasser zu verzichten. Man müsse mit Beeinträchtigungen rechnen, „aber wird werden versuchen diese abzuschwächen. „Es wird kein ‚Dahintümpeln‘ im Inn, wie befürchtet, wir wollen das attraktiv gestalten.“