Letztes Update am Mi, 07.05.2014 07:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesellschaft

Flüchtlinge grenzenlos beraten

Mit ihrem Videoratgeber für Flüchtlinge hat die Plattform Rechtsberatung den Sonderpreis „SozialMarie“ gewonnen. Jetzt soll das Projekt europaweit bekannt werden.



Von Dominic Dapré

Innsbruck – Ungewöhnlich reges Treiben herrscht dieser Tage vor der Kulisse der Igler Berglandschaft. Auf den Wiesen tummeln sich Grüppchen von Menschen, die hauptsächlich auf Englisch miteinander kommunizieren und ihre Gedanken in Bildform zu Papier bringen. Ein Kameramann streift durch die Sitzkreise, um das Geschehen auf Film zu bannen. Das Pfadizentrum in Igls ist aber kein Schauplatz für einen neuen Hollywood-Streifen. Weit gefehlt: Noch bis kommenden Sonntag steht es ganz im Zeichen eines internationalen Workshops für Flüchtlingshilfe. Organisiert wird die Aktion von der Innsbrucker Plattform Rechtsberatung.

„Insgesamt sind 30 Teilnehmer aus acht Nationen nach Innsbruck gereist“, erzählt Katharina Lang stolz. Sie ist die Geschäftsführerin der Plattform und organisiert den einwöchigen Workshop. Die Ursache für den erfreulich großen Andrang sei klar: „Unser Videoguide hat sich in ganz Europa herumgesprochen. Mit so viel Zuspruch hätten wir nicht gerechnet“, sagt Lang. Der Videoguide ist ein speziell auf die Rechtsberatung von Flüchtlingen ausgelegter, mehrsprachiger Videoratgeber im Internet – die TT berichtete. Für dieses Projekt ist die Plattform Rechtsberatung zuletzt mit der „SozialMarie“ ausgezeichnet worden.

Und das Projekt trägt bereits Früchte: Der einwöchige Workshop in Igls zielt darauf ab, Flüchtlingen ihre Rechtslage möglichst einfach zu erklären. Zu fünft oder zu sechst arbeiten die Teilnehmer aus aller Welt Konzepte aus, die später filmisch umgesetzt werden. In einer dieser Gruppen sitzt auch die aus Sizilien angereiste Rossella Di Liberto. Sie ist gerade dabei, ein Gruppenlogo zu entwerfen und erste Ideen für ihren Film zu sammeln. An Erfahrung mangelt es der 29-Jährigen nicht. In Süditalien arbeitet sie freiwillig für zahlreiche Flüchtlingsorganisationen: „Ich habe schon Asylwerber erlebt, die in ihrem Land Rechtsanwälte waren und trotzdem keine Ahnung von ihren Rechten hatten. Die Situation ist prekär.“ Was fehlt, seien vor allem geeignete Mittel, um Aufklärungsarbeit zu leisten. „Der Workshop gibt auch mir die Chance, dazuzulernen, wie ich komplizierte Rechtslagen einfach und verständlich weitervermitteln kann.“

Besonders gefällt der Italienerin, dass sie ihre Ideen direkt filmisch umsetzen kann. Für professionelle Unterstützung ist gesorgt: Insgesamt 15 Mitglieder der Plattform Rechtsberatung helfen den Gruppen in Sachen Aufnahme, Schnitt und beim Drehbuchschreiben. „Das heißt aber nicht, dass wir ihnen die Arbeit abnehmen – am Ende gestalten sie ihre Videos allein“, erklärt Plattform-Obfrau Nuran Ekingen. „Am Montag haben wir unseren eigenen Videoguide als Anhaltspunkt vorgeführt. Bis Donnerstag oder spätestens Freitag sollten alle Teams ihre Videos unter Dach und Fach haben.“

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Der enge Zeitplan hat einen Grund: Am kommenden Samstag präsentieren die Teilnehmer ihre Werke ab 15 Uhr im Pfadiheim Igls der Öffentlichkeit. Mit der Hoffnung, mehr Bewusstsein für die oft ausweglose Lage von Flüchtlingen zu schaffen.