Letztes Update am Fr, 23.05.2014 09:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Video-Interview mit Maria Heizer

„Wir werden in der Kirche so weiterleben wie bisher“

Für das exkommunizierte Absamer Ehepaar Martha und Gert Heizer gibt es keinen Weg zurück, Bischof Scheuer hofft hingegen auf ein Einlenken.

© Thomas Böhm / TTMartha Heizer mit ihrem Mann Gert.



Von Peter Nindler

Absam – Martha und Gert Heizer leiden mit ihrer Kirche. Obwohl sie von allen Ämtern und Sakramenten ausgeschlossen wurden, „werden wir in der Kirche so weiterleben wie bisher“, sagten sie Donnerstag. Das von Rom unterzeichnete Dekret über die Exkommunikation, das ihnen Mittwochabend Diözesanbischof Manfred Scheuer im Diözesangericht in Innsbruck überreichen wollte, haben sie nicht angenommen. „Wir sind bestürzt, dass man uns mit dieser Strafe auf eine Stufe stellt mit priesterlichen Missbrauchstätern.“

Das Absamer Ehepaar wird sich weiterhin für Reformen in der katholischen Kirche einsetzen. „Auch weil es nicht sein kann, wie die Kirche mit Frauen umgeht“, fügt Gert Heizer hinzu. Die von Bischof Manfred Scheuer geäußerte Hoffnung, dass die für die „privaten Eucharistiefeiern“ verantwortlichen Personen ihr Tun und auch den Schaden, den sie der Kirche antun, einsehen und umkehren, wollen sie nicht erfüllen. „Es tut uns nicht leid und wir sagen auch nicht, dass wir umnachtet waren. Es ist wunderschön und wir werden weiterhin die Messen feiern“, betont das Ehepaar. Einen Weg zurück gibt es für sie so nicht.

Die von Manfred Scheuer als Selbst-Exkommunikation bezeichnete Kirchenstrafe wird die Familie Heizer nicht vom Kirchenbesuch abhalten. Auch zur Kommunion wollen sie gehen. „Die Priester müssen dann selbst entscheiden, was sie tun.“ Dass sie mit ihrer Vorgangsweise nicht das Maß aller Katholiken sind, wissen sie. „Jeder muss deshalb für sich entscheiden, ob er mit uns mitgeht oder nicht.“ Vorsitzende der Plattform „Wir sind Kirche“ wird die pensionierte Religionspädagogin und Mitinitiatorin des Kirchensvolksbegehrens im Jahr 1995 bleiben, „aber ich werde noch einmal mit dem Vorstand darüber reden“.

Für Bischof Manfred Scheuer liegt es allein beim Ehepaar Heizer, „die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Tatstrafe der Exkommunikation entweder nicht festgestellt oder unverzüglich nachgelassen werden kann und muss“. Sie hätten seinerzeit eine Situation geschaffen, in der er rechtlich einschreiten habe müssen. Heizer und ihr Ehemann haben zehn Tage Zeit, die Rücknahme oder die inhaltliche Abänderung des Exkommunikations-Dekrets zu beantragen.

Scharfe Kritik übte gestern der Vorsitzende von „Wir sind Kirche“ in Deutschland, Christian Weisner. Gegenüber der Tageszeitung Die Welt sagte er, dass das vermeintliche schwere Vergehen, das Martha Heizer vorgeworfen werde, täglich auf der Welt Hunderte von katholischen Gruppen begehen würden. Es ist auch eine Folge des Priestermangels.

Die Stellungnahme vom Ehepaar Heinzer im Wortlaut

Am Mittwochnachmittag hat uns der Bischof von Innsbruck im Diözesangericht Innsbruck und in Anwesenheit zweier Diözesanrichter das „verfahrensabschließende Dekret“ der Glaubenskongregation im Vatikan vorgelesen, das besagt, dass wir durch das Eucharistiefeiern in der Hauskirche exkommuniziert sind.

Damit sind wir nicht aus der Kirche ausgeschlossen, durch die Taufe gehören wir ihr an, solange wir sie nicht freiwillig verlassen. Deshalb müssen wir auch die Kirchensteuer weiterhin bezahlen, sind aber von den Sakramenten und kirchlichen Ämtern ausgeschlossen.

Wir haben diese Strafe erwartet. „Wir haben ein Gesetz und nach dem Gesetz“ müssen wir so zur Verantwortung gezogen werden. Bischof Scheuer sagt dazu, dass auch das persönliche Gewissen es nicht erlaube, Kirchengesetze zu übertreten. Dennoch sind wir aus folgendem Grund schockiert:

Durch den „Versuch, unerlaubt Eucharistie zu feiern“ fallen wir unter die „drei schweren Vergehen“, die sofort dem Vatikan gemeldet werden müssen. Dazu gehören auch die Verletzung des Beichtgeheimnisses und der sexuelle Missbrauch. Es entsetzt uns ungemein, dass wir uns in der gleichen Kategorie wie priesterliche Missbrauchstäter wieder finden. Besonders erbittert es uns, dass wir von keinem einzigen Missbrauchstäter wissen, der exkommuniziert worden wäre. Es wird also mit unterschiedlichem Maß gemessen.

Wir haben das Dekret nicht in Empfang genommen, sondern zurückgewiesen. Wir haben das Verfahren in seiner Struktur („außergerichtliches Strafverfahren“) nie akzeptiert und akzeptieren infolgedessen auch den Schuldspruch nicht.

Wir werden uns weiterhin mit großer Kraft für Reformen in der katholischen Kirche einsetzen. Gerade auch diese Vorgangsweise zeigt, wie dringend sie Erneuerung braucht.

Martha und Gert Heizer