Letztes Update am Sa, 07.06.2014 07:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesellschaft

Nur wenig „Bewegung“ nach Urknall am Vilsalpsee

2012 krachten Felsenmassen in die Tiefe, der Seerundweg ist seither gesperrt. Um eine Lösung der verzwickten Situation wird gerungen.



Von Helmut Mittermayr

Tannheim – Am Vilsalpsee ist Ruhe eingekehrt, mehr als Gemeinde, Agrar, Hüttenwirten und E-Werk lieb sein kann. Nicht, dass die in erster Linie Betroffenen des riesigen Felssturzes nicht alles unternommen hätten, um den Weg am See wieder aufzubekommen. Die bedenkliche Sicherheitslage sowie lange und schwierige Verfahren im Natura-2000-Schutzgebiet ließen bisher jeden Lösungsansatz in weite Ferne rücken oder machten ihn zunichte. Jetzt gibt es wieder einen Funken Hoffnung – ein Abtragen der Gefahrenstellen von oben her und die anschließende Schüttung eines meterhohen Dammes werden diskutiert, um den Spazierweg öffnen zu können. Allein die hohen Kosten – bis zu einer Million Euro sind denkbar – scheinen kaum bewältigbar, müssten sie doch von den Betroffenen selbst gestemmt werden. BM Markus Eberle hofft auf einen verkürzten Verfahrensweg: „Das müsste in so einem Katastrophenfall doch möglich sein. Nicht, dass wir wieder ein Jahr verlieren, weil ein Vogel irgendwo brüten könnte.“

Im November 2012 gab es am See in der so genannten Blässe den Urknall, die Gesteinsmassen donnerten nächtens zu Tal. Seither ist der Höhenrundwanderweg nicht mehr „machbar“. Im Juni 2013 folgte an anderer Stelle am See der nächste Tiefschlag. Erste Steine lösten sich, dort in der Blaich hängt überhaupt noch alles oben. „Dieser Hang ist scharf. Da wird in absehbarer Zeit etwas passieren“, weiß Eberle.

Da der Seeweg gesperrt und damit der Höhenrundwanderweg unterbrochen ist, sind drei Hütten vom Gästeschwund betroffen. „Auf der Landesberger Hütte ist das Geschäft eingebrochen, die Traualpe ist praktisch tot“, formuliert Eberle scharf. Die Almwirtschaften stehen vor dem zweiten Katastrophensommer. Auch das EW Schattwald kann Mitarbeiter nur unter extremer Gefahr zum Kraftwerk Traualpe schicken.

Im Hintergrund wird seit Wochen eifrig verhandelt. Von Seiten des Naturschutzes soll nun ein Zustimmen für eine Lösung des Abtrags der gefährlichen Restfelsen von „oben her“ signalisiert sein, hieß es am Freitag im Landhaus. Auch Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf bestätigt Verhandungen. „Ich bin überzeugt, dass bei gutem Willen von allen Seiten eine Lösung machbar ist“, erklärt sie gegenüber der Tiroler Tageszeitung. Nachdem die Felsenreste in der Höhe abgegraben wären, könnte im Tal der 400 Meter lange Schutzdamm errichtet werden.

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