Letztes Update am So, 06.07.2014 08:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Almen brauchen mehr Tiere

Tirols Almbauern freuen sich über einen guten Beginn der Saison. Im Oberland werden zu wenige Tiere aufgetrieben, mit langfristig negativen Folgen.



Von Christoph Mair

Innsbruck – Die Almsaison hat begonnen. In den meisten Teilen Nordtirols wegen der dürftigen Schneelage im Winter gut zehn Tage früher als sonst, sagt der Obmann des Tiroler Almwirtschaftsvereins, Josef Lanzinger.

Der zeitige Start sei gut. Das junge Gras schmecke den Tieren besonders gut. Gerade den Bürstling (Borstgras) fressen sie nur im jungen Zustand. Passiert das nicht, werde der ausgewachsene Bürstling vom Schnee geknickt und bilde eine gefährliche Rutschbahn für Lawinen, erinnert Lanzinger an die Bedeutung der Almwirtschaft für den Schutz vor Naturgefahren.

Zu viele Tiere auf den Almen seien selten das Problem, „eher umgekehrt“, sagt Lanzinger. Im Oberland, speziell im Bezirk Reutte, gebe es „viel zu wenig Tiere“ im Vergleich zum Futterangebot. Früher hätten benachbarte Allgäuer Bauern in Tirol aufgetrieben, heute blieben diese aus. Als Notlösung würden Inntaler Bauern ihr Vieh nach Reutte transportieren. „Das ist aber eine Kostenfrage“, betont Lanzinger. Eine generelle Auftriebsmüdigkeit kann der Alm-Obmann nicht erkennen. Vielmehr sei einfach der Viehbestand gerade im Außerfern zu gering. Das Auftreten von Rinder-Tbc habe den Bestand weiter verringert.

Verschärfen könnte sich das Problem mit dem Ende der Milchquoten, auch jener für Almmilch 2015. Damit fehle der Anreiz, auch Milchkühe auf alpine Sommerfrische zu schicken. Damit es nicht so kommt, fordert Josef Lanzinger einerseits, die Förderungen auf die Almmilchproduktion abzustimmen, und einen besseren Preis für das Produkt. Tirol liefere immerhin 62 Prozent der gesamten österreichischen Almmilchmenge.

Erleichtert ist Lanzinger über die von Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) erreichte Lösung im Almflächenstreit. Wie berichtet sollen die einfachen Auftreiber von Tieren, die nicht für die Flächenfeststellungen verantwortlich sind, die gegen sie verhängten Strafzahlungen zurückerstattet erhalten. Noch sei das Geld zwar nicht bei den Bauern eingelangt, „aber ich kann mir nichts anderes mehr vorstellen“, sagt Lanzinger. Er hofft, dass das Thema damit vom Tisch ist, denn viele Bauern, die viel Arbeit in die Bewirtschaftung der rund 2100 Tiroler Almen investieren, seien verärgert. „Ich hoffe, dass da kein Motivationsloch entsteht.“

Schließlich seien die Almen auch ein wichtiger Tourismus-Faktor. „Die Bundesländer mit vielen Almen haben auch einen starken Tourismus“, stellt Lanzinger einen Zusammenhang her. Auch Einheimische wüssten das zu schätzen.