Letztes Update am Do, 10.07.2014 06:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schwaz

Unterricht im Fegefeuer der Kritik

Die Diözese hat den Stanser Pfarrkooperator vom Religionsunterricht suspendiert. Seine Lehrmethoden seien zu konservativ und gestrig. Eltern und Bürgermeister wehren sich mit Unterschriften und Briefen dagegen.



Von Angela Dähling

Stans – Hölle, Teufel und Fegefeuer als gängiges Vokabular in einem Religionsunterricht, in dem die Volksschüler zudem viel Zeit mit dem Anmalen von biblischen Bildern verbringen. Ist das zeitgemäß? Nein, sagt der Leiter des Bischöflichen Schulamtes Josef Stock. Die Volksschüler in Stans haben diese Art des Religionsunterrichts die letzten vier Jahre genossen. „Und das Fach zu ihrem beliebtesten gewählt“, sagt der Stanser Bürgermeister Michael Huber. Der 36-jährige Religionslehrer und Pfarrkooperator habe es geschafft, die Kinder wieder für den Glauben zu begeistern, habe einen sehr menschlichen Umgang mit ihnen und die Ministrantenzahl gesteigert, hält der Dorfchef fest.

Groß ist daher die Aufregung, seit kurz vor Ferienbeginn bekannt wurde, dass der Pfarrkooperator vom Bischöflichen Schulamt per Brief vom 11. Juni vom Religionsunterricht ab dem Schuljahr 2014/15 „entpflichtet“ wird. Damit wird es für die vier Religionsstunden in der Stanser Volksschule und zwei Stunden in Vomp nach den Ferien einen neuen Lehrer brauchen.

„Wir fühlen uns als Schulerhalter vor den Kopf gestoßen. Auch die Pfarre wurde übergangen“, ist der Bürgermeister empört und ließ das auch das Bischöfliche Schulamt per Brief wissen: „Mit Ihrer Vorgangsweise haben Sie Unruhe in unser Dorf gebracht, so dass dieses einseitige Vorgehen Ihrerseits auf keinen Fall zu akzeptieren ist“, heißt es darin. Eltern hätten eine Unterschriftenaktion gestartet. Huber will die Unterrichtsmethoden des Pfarrkooperators nicht bewerten. Er ist aber überzeugt, man hätte durch Gespräche das Problem lösen können. „Als der Pfarrkooperator vor vier Jahren bei uns anfing, dauerte sein Gottesdienst 1,5 Stunden. Das war zu lang, wir brachten das zur Sprache und jetzt sind alle mit den festlichen 50-minütigen Messen glücklich“, meint Huber.

Josef Stock vom Bischöflichen Schulamt erklärt auf Anfrage der TT, er habe im Gegensatz zu Huber mehrfach den Unterricht des Pfarrkooperators, den er menschlich sehr schätze, besucht. Auch die Fachinspektorin habe das. Als „vorsintflutlich“ bezeichnet er das, was er dort methodisch, didaktisch und inhaltlich erlebt habe. Mehr will er mit Verweis auf die vertraulich zu behandelnde Personalakte nicht sagen. In seinem Schreiben an den Volksschuldirektor, das der TT vorliegt, heißt es u. a., die Unterrichtsmaterialien würden aus einem nicht zugelassenen, äußerst gestrigen Behelf aus Maria Roggendorf stammen und ein Familienbild skizzieren, das nicht mehr zeitgemäß sei. Die Auswahl der Themen sei einseitig, die Sprache floskelhaft, es sei keine intellektuelle Herausforderung gegeben. Trotz klarer Aufträge des Schulamtes sei es zu keiner Verbesserung des Unterrichts gekommen. Der Pfarrkooperator war urlaubsbedingt für eine Stellungnahme nicht erreichbar.