Letztes Update am Di, 22.07.2014 07:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesellschaft

Aus verhasstem Symbol der Macht wird ein Mahnmal

Unter faschistischem Siegesdenkmal in Bozen wurde ein Dokumentations-zentrum eröffnet, das die Geschichte von 1918 bis 1945 kritisch beleuchtet.



Bozen – Die faschistischen Relikte in Südtirol sind historische Zeichen der Unterdrückung der Südtiroler Bevölkerung und Symbole der Italienisierung der deutschsprachigen Minderheit in Italien. Besonders verhasst ist das 1928 in Bozen errichtete Siegesdenkmal mit der erniedrigenden Inschrift: „Hier an den Grenzen des Vaterlandes setze die (Feld-)Zeichen. Von hier aus bildeten wir die Übrigen durch Sprache, Gesetze und Künste.“ Dass nach wie vor Kranzniederlegungen stattfinden, sorgt für heftige Debatten. Jahrelang wurde mit Rom über historische Gerechtigkeit verhandelt.

An den Beinhäusern wurden erklärende Tafeln angebracht, gestern wurde das Dokumentationszentrum in der Krypta des Siegesdenkmals offiziell eröffnet. In 13 unterirdischen Räumen wird die Geschichte Bozens von 1918 bis 1945 und des umstrittenen Denkmals dokumentiert. Für die deutschen Heimatparteien wie Freiheitliche, Union für Südtirol oder Süd-Tiroler Freiheit ist die historische Aufarbeitung jedoch zu wenig. Der Obmann des Südtiroler Heimatbundes, Roland Lang, betont, dass auch ein „verstecktes Museum im Keller“ nichts an der Verherrlichung des Faschismus durch den „Lügentempel Siegesdenkmal“ ändere.

Ganz anders sieht es LH Arno Kompatscher (Südtiroler Volkspartei): „Dieses Denkmal war jahrzehntelang nicht zugänglich und damit ein Symbol der Macht.“ Die Öffnung des Siegesdenkmals mit dem Museum der Zeitgeschichte sei ein wichtiger Schritt zur Historisierung (Geschichtswerdung). „Ich hoffe, dass nun Schritte der Normalisierung folgen werden“, fügte Kompatscher hinzu.

Kulturlandesrat und SVP-Chef Philipp Achammer hebt die Verwandlung zu einem Mahnmal hervor, „indem gezeigt wird, was totalitäre Regime in und an Südtirol angerichtet haben“. Zurückschauen, aber nicht zurückfallen möchte auch der Landeshauptmann. Kulturminister Dario Franceschini schloss nahtlos an die Botschaft von Ministerpräsident Matteo Renzi auf Schloss Prösels Anfang Juli an: „Die Besonderheiten dieses Landes, die Vielfalt, die Mehrsprachigkeit, die Funktion als Brücke zwischen Nord und Süd werden heute nicht mehr als Problem gesehen, sondern als Reichtum. Und diesen Weg gilt es fortzusetzen.“ (pn)

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