Letztes Update am Mi, 27.08.2014 07:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesellschaft

Gefährdungsmeldungen bei Jugendamt nehmen ab

Rund 800 Innsbrucker Kinder müssen vom Jugendamt betreut werden. 370 Minderjährige wurden aus ihren Familien genommen.

(Symbolfoto)

© dpa/Jörg Lange(Symbolfoto)



Von Thomas Hörmann

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Innsbruck – Knapp zwei Wochen noch, dann werden im Innsbrucker Jugendamt wieder die Telefone heißlaufen: „Schulbeginn, Weihnachten und Schulende: Das sind jene Zeiten, in denen wir die meisten Gefährdungsmeldungen erhalten“, weiß Amtsleiterin Gabriele Herlitschka.

1620 Hinweise bezüglich gefährdeter Kinder und Jugendlicher gingen im Vorjahr im Innsbrucker Jugendamt ein. „Das sind um etwa 100 weniger als 2012“, sagt Herlitschka. Und doch (im Verhältnis zur Bevölkerung) deutlich mehr als in den Landbezirken. Besonders drastisch zeigt sich das Stadt-Land-Gefälle bei den so genannten Gefährdungsabklärungen. So mussten die Mitarbeiter der Innsbrucker Jugendwohlfahrt die Lebenssituationen von über 1400 Kindern und Jugendlichen überprüfen. Im übrigen Tirol waren es insgesamt 1287 Gefährdungsabklärungen.

Dass in Innsbruck mehr Missstände im Kinder- und Jugendbereich gemeldet werden, „liegt auch an der dichten Bauweise, die Leute bekommen voneinander mehr mit“, analysiert Herlitschka. „Zudem spielt die größere Anonymität eine Rolle, ebenso die gute Vernetzung mit Kindergärten, Schulen etc.“

Von den 1620 Gefährdungsmeldungen in Innsbruck erwiesen sich lediglich 188 als unbegründet. „Der Großteil der Hinweise war durchaus relevant, nur selten handelt es sich um Verunglimpfungen. Die Leute haben einen recht guten Instinkt“, erklärt die Jugendamtsleiterin. Aber es gibt auch Ausnahmen: So fürchtete ein Anrufer wegen einer blau gestrichenen Wand um das Kindeswohl.

Überforderte Eltern (412 Meldungen), Vernachlässigung (269), finanzielle Probleme (260), Suchtprobleme und straffällige Minderjährige (214): Das waren die Hauptgründe, die die Zeugen beim Jugendamt anrufen ließen.

Die meisten Anzeigen (je 290) erstatteten Polizisten und Personen aus dem familiären Umfeld der Kinder.

Durch häufig auch unangemeldete Besuche überprüften die Mitarbeiter des Jugendamtes die Situationen in den gemeldeten Familien. In den meisten Fällen ließen sich die Krisen durch ambulante Betreuung lösen. Insgesamt kümmern sich die Jugendamtsmitarbeiter um etwa 800 Innsbrucker Kinder, weitere 370 Minderjährige mussten aus ihren Familien genommen und stationär betreut werden. Für den politisch zuständigen Stadtrat Ernst Pechlaner „ist das kein Kompliment für unsere Gesellschaft“.