Letztes Update am Mi, 01.10.2014 11:43

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesellschaft

Missbrauch vertuscht: Vatikan ermittelt gegen US-Bischof

Der Bischof von Kansas City-Saint Joseph soll Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern durch einen ihm untergebenen Priester nicht gemeldet haben.

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Rom – Nach der Verhaftung des früheren vatikanischen Botschafters in der Dominikanischen Republik, Jozef Wesolowski, wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen ist der Vatikan immer stärker mit dem Problem der Pädophilie konfrontiert. Der Vatikan ermittelt gegen Bischof Robert Finn von der Diözese Kansas City-Saint Joseph, berichtete die Tageszeitung La Repubblica am Mittwoch.

Die Informationen wurde vom vatikanischen Pressesprecher, Pater Federico Lombardi, nicht kommentiert. Finn wird vorgeworfen, Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern durch einen ihm untergebenen Priester nicht gemeldet zu haben. Gegen ihn wurde bereits in den USA ermittelt. Der Bischof hatte bisher stets zurückgewiesen, sich strafbar gemacht zu haben. Er hatte allerdings eingeräumt, von eindeutigen Fotos gewusst zu haben, die der Priester von einigen jungen Mädchen gemacht habe.

Festnahme im Mai 2011

Der Priester war im Mai 2011 festgenommen und wegen anzüglicher Fotos angeklagt worden, die er von jungen Mädchen während einer Osterveranstaltung gemacht hatte. Gerichtsdokumenten zufolge besuchte er zwischen Dezember 2010 und Mai des darauffolgenden Jahres zahlreiche Kindergeburtstage, verbrachte Wochenenden mit Familien aus der Gemeinde und leitete mit Billigung des Bischofs die Kommunionfeier eines Mädchens.

In den USA waren vor rund 25 Jahren die ersten Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester der katholischen Kirche bekannt geworden. Vor knapp zehn Jahren war sie mit ihrem bisher wohl größten Missbrauchsskandal konfrontiert. Im Zentrum stand die Erzdiözese Boston, die sich im Jahr 2003 verpflichtete, einen hohen zweistelligen Millionenbetrag an Hunderte von Menschen zu zahlen. Auch in Kalifornien verpflichtete sich die katholische Kirche zu Entschädigungen. Landesweit sollen in den USA die Zahlungen in die Milliarden gegangen sein. (APA)