Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 12.12.2014


Gesellschaft

Geflickt, repariert und neu genutzt

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© Andreas Rauchegger



Von Catharina Oblasser

Abfaltersbach, Dorf Tirol – Eine Kulturgeschichte des Reparierens – so lässt sich das Projekt des Abfaltersbachers Andreas Rauchegger beschreiben. Der studierte Kulturwissenschafter interessiert sich für die Kunst des Flickens und aller anderen Arten, Kaputtes wieder benutzbar zu machen: manchmal auf eine andere Weise, als das ursprünglich vorgesehen war. Gemeinsam mit dem Uni-Professor Siegfried de Rachewiltz, der Burgherr der Brunnenburg in Dorf Tirol ist, und Christiane Ganner aus Meran widmet er sich diesem Thema auf einer interaktiven Webseite (www.flick-werk.net), in einem Buch und in einer Ausstellung in der Brunnenburg.

Museen in Nord-, Süd- und Osttirol hat der Wissenschafter abgeklappert, in Osttirol wurde er etwa im Kammerlanderhof (Thurn), im Zacheler Stadel (Innervillgraten) oder im Kornkasten von Obertilliach fündig. Die Flickwerk-Seite im Internet zeigt den Einfallsreichtum früherer Generationen, wenn es ums Reparieren und Umfunktionieren ging: Da dient eine alte Pferdetrense als Glockenzug, Tapetenstreifen zum Reparieren eines Scheunendaches und ein gesprungener Porzellanteller wurde mit Eisendraht zusammengeflickt. „Ich habe auch Menschen in allen Landesteilen gebeten, mir Fotos von solchen Dingen zu schicken“, erzählt Rauchegger.

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- Rauchegger

Heute herrscht das Prinzip des Wegwerfens, wenn Dinge kaputt sind. Nur bei Bergbauern im hochalpinen Raum sei das noch nicht so ausgeprägt, meint der Kulturwissenschafter. Rauchegger wünscht sich eine Rückbesinnung auf alte Flick-Tugenden. „Unser Projekt soll auch der Tendenz der Obsoleszenz entgegenwirken.“ Die Ausstellung in der Brunnenburg ist heute noch zu sehen, das Buch dazu ist dort erhältlich.