Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 16.12.2014


Gesellschaft

Künstler-Appell für Asylheim

Dölsacher Maler Michael Hedwig hofft trotz Nein des Gemeinderats auf ein Umdenken.

Michael Hedwig

© OblasserMichael Hedwig



Von Catharina Oblasser

Dölsach – Zum Thema Flüchtlinge hat der Dölsacher Künstler Michael Hedwig, der in Wien Karriere gemacht hat, einiges zu sagen. Denn auch sein Vater musste als Siebenbürger Sachse seine Heimat verlassen. Er wurde in die deutsche Wehrmacht eingezogen, nach Kriegsende durfte er nicht mehr in die nun russisch dominierte Heimat zurück.

Das schildert Hedwig in einem persönlichen Brief an den Dölsacher Bürgermeister Josef Mair und alle Gemeinderäte. Gleichzeitig macht sich der Künstler in seiner Unterstützungserklärung für ein zweites Asylwerberheim in Dölsach stark. Eines, das seit etwa zwei Jahren besteht, beherbergt rund 30 Menschen, die so wie Hedwigs Vater nicht mehr in ihre Heimat zurückkönnen. In den letzten Monaten wurden in Dölsach zusätzlich das Haus der Unternehmerfamilie Tschappeller, eine Unterkunft der Pfarre und die einstige Galerie Rondula angeboten.

Doch für die Mehrheit der Gemeinderäte ist ein Heim genug. Sie entschieden in der letzten Sitzung mit acht zu fünf Stimmen bei einer Enthaltung gegen ein zweites Heim. Teile der Bevölkerung seien dagegen, lautet eines der Argumente. Und Dölsach habe mit dem ersten Heim seine Pflicht schon erfüllt, jetzt sollten andere Gemeinden an die Reihe kommen.

Michael Hedwig meint dazu: „Die Entscheidung liegt natürlich beim Gemeinderat.“ Er will aber zu bedenken geben, dass es dabei um leidende Menschen mit schwerem Schicksal gehe.

Trotz des Nein des Gemeinderates steht das Thema zweites Asylheim heute auf der Tagesordnung der Gemeindeversammlung um 19.30 Uhr im Gasthaus Tirolerhof. Laut ÖVP-Bürgermeister Josef Mair, der auch gegen das zweite Heim stimmte, bedeutet das aber nicht, dass die Entscheidung nicht fix sei. „Es handelt sich um eine Informationsversammlung. Die Bevölkerung kann diskutieren und Fragen stellen.“ Am Dölsacher Nein werde das aber nichts ändern. „Das ist mit dem Land bereits abgesprochen.“

Anderer Meinung war Mairs Parteikollege Martin Mayerl, Landtagsabgeordneter und Dölsacher Vizebürgermeister. Er war im Gemeinderat gegen die sofortige Ablehnung des Heims. „Mir haben Informationen gefehlt“, begründet er. Was mit dem Land in dieser Frage fixiert worden ist, konnte Mayerl nicht sagen.