Letztes Update am Fr, 30.01.2015 14:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lebendig verbrannt

Pegida-Organisator verhöhnt Mordopfer Maria P. (19)

Der brutale Mord an der 19-jährigen Maria P. in Berlin ist für einen Pegida-Mitorganisator Anlass, über das Thema Integration herzuziehen. Die schwangere Frau hätte eben wissen müssen, mit wem sie sich einlasse.

© imago/Olaf Wagner(Symbolfoto)



Berlin – Der grausame Mord an einer hochschwangeren 19-Jährigen hat Menschen in ganz Deutschland fassungslos gemacht: Die verbrannte Leiche von Maria P. war am vergangenen Freitag in einem Waldstück bei Berlin-Adlershof von Spaziergängern entdeckt worden, nachdem deren Hund angeschlagen hatte.

Eren T., der 19-jährige Ex-Freund der jungen Frau und laut Staatsanwaltschaft wohl auch der Vater des ungeborenen Babys, wurde wenige Stunden nach dem Leichenfund festgenommen. Er gestand, Maria P. gemeinsam mit seinem gleichaltrigen Komplizen Daniel M. mehrfach mit einem Messer in den Bauch gestochen und die Frau anschließend mit Benzin übergossen und bei lebendigem Leib verbrannt zu haben.

Opfer auf Facebook verhöhnt

Für die meisten Menschen eine unfassbare, schockierende Tat. Offenbar nicht so für Siegfried Däbritz, wie der Pegida-Mitorganisator auf seiner Facebook-Seite zu erkennen gab. In einem hämischen Posting gab Däbritz Maria P. indirekt selbst die Schuld an ihrem Tod, da sie sich auf einen Ausländer eingelassen hatte. „Maria hatte sich erfolgreich in die Gesellschaft der Zuwanderer integriert/assimiliert, sie konvertierte zum Islam, religiöse Kitschbilder sind gepostet usw. es ist alles dabei, sie hat sich sozusagen erfolgreich türkisiert/islamisiert“, hieß es da unter anderem.

Die junge Frau habe also gewusst, worauf sie sich einlasse – „genau wie die Frau vom Integrationsbambipreisträger Bushido und genau wie eine Freundin meiner Frau, die einem Hasan in den Westen folgte und mittlerweile auch nur noch auf die Fresse bekommt und das Haus nicht mehr verlassen darf, ohne dass ein männlicher Verwandter Ihres Liebsten dabei ist“, schlussfolgert der Organisator der islamfeindlichen Bewegung Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes). Am Ende des Postings findet sich noch ein das Opfer verhöhnendes Zitat von Bertolt Brecht: „Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber.“

Däbritz steht zu seinen Worten

Das Posting, von dem unter anderem Bild.de Screenshots veröffentlichte, wurde mittlerweile gelöscht. Gegenüber dem Blatt verteidigte Däbritz den Eintrag am Donnerstag jedoch: Er habe mit seinem Kommentar niemanden verletzen, sondern lediglich mit drastischen Worten darauf hinweisen wollen, was es bedeute, sich einem fremden Kulturkreis anzuschließen, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein.

Däbritz ist bereits der zweite Pegida-Verantwortliche, der mit hetzerischen Äußerungen auffällt. Erst vergangene Woche hatte Cheforganisator Lutz Bachmann mit ausländerfeindlichen Kommentaren und einem Foto auf Facebook auf dem er als Adolf Hitler posiert, für Empörung auch innerhalb von Pegida gesorgt. Bachmann trat daraufhin zurück, die Bewegung droht seither zu zerbröckeln. (ema, tt.com)