Letztes Update am Do, 25.08.2016 11:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Erdbeben in Italien

Mädchen 16 Stunden nach Beben aus Trümmern gerettet

Es grenzt an ein Wunder: Die zehnjährige Giorgia wurde nach 16 Stunden unter den Trümmern ihres Hauses lebend geborgen. Für ihre Schwester kam jede Hilfe zu spät.

Die zehnjährige Giorgia wird nach 16 Stunden lebend aus den Trümmern gezogen.

© Youtube/ScreenshotDie zehnjährige Giorgia wird nach 16 Stunden lebend aus den Trümmern gezogen.



Rom – Als Giorgia lebend aus den Trümmern geborgen wird, sind Freudenrufe in Pescara del Tronto, eine der am stärksten vom Erdbeben in Mittelitalien betroffenen Gemeinden, ertönt. Das zehnjährige Mädchen konnte 16 Stunden nach dem Erdbeben aus den Trümmern geholt werden.

„Hunde hatten uns gemeldet, dass sich unter den Trümmern jemand befand, doch wir hörten keine Stimme. Wir haben aber trotzdem unermüdlich gesucht. Als wir das Kind lebend bergen konnten, war es für uns eine riesige Freude“, berichtete der Feuerwehrsprecher Danilo Dionisi.

Schwester konnte nicht gerettet werden

Erst am Mittwochabend konnten die Rettungsteam den genauen Punkt lokalisieren, wo sich das Zimmer Giorgias befand. Die Schwester der Überlebenden konnte allerdings nicht gerettet werden. „Die Schwester lag neben Giorgia im Bett, für sie kam jede Hilfe zu spät“, sagte Dionisi. In Pescara del Tronto wird weiterhin nach Überlebenden gesucht. Allein hier wurden bis dato 37 Todesopfer gezählt.

Bei der Naturkatastrophe mit mindestens 247 Todesopfern kamen mehrere Kinder ums Leben. Die siebenjährigen Zwillingsbrüder Andrea und Simone Serafini wurden ebenfalls aus den Trümmern geborgen. Andrea wurde in kritischem Zustand mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus in Rom geflogen, erlag jedoch seinen Verletzungen. Sein Zwillingsbruder überlebte. Die Wohnung, in der die beiden Buben wohnten, befand sich im Zentrum von Amatrice - sie wurde komplett zerstört.

Kinder in den Sommerferien

Unter den Opfern des Erdbebens in Italien waren viele Kinder. Warum? Viele Eltern schicken ihre Kinder in den Sommerferien zu „nonno e nonna“, also zu Opa und Oma. Die wohnen oft noch in kleinen Orten, während die Eltern in Städten arbeiten. In den Sommermonaten, besonders im August, erholen sich aber auch oft ganze Familien in ihren Heimatorten vom Großstadtstress.

Spürhunde im Dauereinsatz

Schäferhunde, Labradore, einfache Mischlinge - die auf die Suche von Verschütteten trainierten Tiere gehen eifrig durch die Trümmer der mittelitalienischen Erdbebenstadt Amatrice, die Leiter der Hundeeinheiten beobachten sie genau. Sie achten auf die kleinste Reaktionen der Vierbeiner.

Mehr zum Thema

Mindestens 247 Tote:

Warum viele Kinder starben:

Kritik an Bauqualität:

„Die Hunde sind für die Suche nach Menschen unter Trümmern jahrelang dressiert worden. 43 Hunde haben wir nach Amatrice entsendet. Wir haben die ganze Nacht lang mit unseren Tieren gearbeitet“, berichtet Davide Salvi, Sprecher des italienischen Spürhundeverbands UCIS. Die Tiere sind aus ganz Italien sowie aus Malta im Erdbebengebiet zwischen den Regionen Latium und Marke eingetroffen. 13 Spürhunde trafen aus Bozen ein.

Zu den erfahrensten Spürhunden zählt der Schäferhund Fix, der bereits bei der Suche nach Vermissten nach dem Erdbeben in L‘Aquila vor sieben Jahren im Einsatz war. „Er ist ein Hund mit viel Erfahrung bei dieser Art von Arbeit. Er ist auch öfters bei der Suche von Verschütteten bei eingestürzten Gebäuden zum Einsatz gekommen“, sagte sein Besitzer Giampiero.

Die Suche der Spürhunde in Amatrice wird durch ständige Nachbeben erschwert. Doch die mutigen Vierbeiner lassen sich davon nicht beeindrucken. (APA)

Spürhunde sind nach dem Erdbeben im Dauereinsatz, um nach Überlebenden zu suchen.
Spürhunde sind nach dem Erdbeben im Dauereinsatz, um nach Überlebenden zu suchen.
- AFP