Letztes Update am Mi, 14.09.2016 06:37

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Unwetter im Bezirk Landeck

Sieben Mio. Euro Schaden: Summe nach oben korrigiert

Experten stehen vor schwieriger Aufgabe, den geforderten Damm an der Sanna bei Grins umzusetzen. Eine „Falle“ muss ausgeschlossen werden.

Ziel des Bagger-Einsatzes ist es, die Sanna möglichst weit weg von Gebäuden zu verlegen.

© WenzelZiel des Bagger-Einsatzes ist es, die Sanna möglichst weit weg von Gebäuden zu verlegen.



Von Helmut Wenzel

Grins, Pians, Strengen – Von zunächst fünf auf sieben Mio. Euro aufgestockt werden muss die Schadenssumme im Zusammenhang mit den Murenabgängen vom Samstag in Grins, Pians und Strengen. Die erste Grobschätzung zu den privaten Schäden liegt laut Mitteilung der Landesregierung von gestern Dienstag bei fünf Mio. Euro. Dazu kommen 900.000 Euro für die Wiederherstellung und Ausräumungen im Bereich des Schutzwasserbaus. Die Instandsetzung der Landesstraße L171 ist mit Kosten von 120.000 Euro angeführt. Die Wildbach- und Lawinenverbauung beziffert die Schäden in ihrem Bereich mit 600.000 Euro, wobei der Landesanteil bei 200.000 Euro liegt.

„Wir lassen niemanden allein“, versicherte LH Günther Platter nach der Regierungssitzung. „Das haben wir bei vergangenen Ereignissen bewiesen, und das gilt auch für die Menschen in den diesmal betroffenen Gebieten.“ Daher habe man eine Beihilfe in Höhe von 50 Prozent des geschätzten Schadens zu gewähren – für Privatpersonen und Unternehmen. Die Hälfte dieser Unterstützung werde als Soforthilfe ausbezahlt.

Im Grinner Gewerbegebiet möchten die Unternehmer keinesfalls die nächste Katastrophe abwarten. Für die Betriebe mit insgesamt mehr als 50 Jobs steht fest: Die Basis ihrer Existenz ist ein vor Muren und Überschwemmungen sicherer Standort.

Seit der Mure vom Samstagabend wird dort der Ruf nach einem Schutzdamm an der Sanna immer lauter. Dabei erweist sich die Umsetzung der politischen Absichtserklärungen des Landes als große Herausforderung – technisch gesehen. Der Grinner Mühlbach, der 50.000 Kubikmeter Tonnen Geschiebe ins Tal bewegte, habe in den letzten Jahrzehnten ein „braves Bild“ geboten, schilderte Wildbach-Gebietsbauleiter Gebhard Walter am Dienstag. Aber auch wenn das Bachbett im Mittellauf jetzt „leergeräumt“ sei, würden oberhalb von 2000 Metern Seehöhe noch „fast unerschöpfliche Mengen an Geschiebepotenzial“ lagern.

„Wir arbeiten mit den Kollegen von der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes ein gemeinsames Projekt aus“, bestätigte Tirols WLV-Chef Siegfried Sauermoser auf TT-Anfrage am Mittwoch. Markus Federspiel, beim Land zuständig für Schutzwasserwirtschaft und Gewässerökologie, bestätigte die geplante Kooperation. Zu Details, Dimensionen, Kosten und Zeitplan könne man aber noch nichts sagen. Grundsätzlich soll, so Sauermoser, ein Erddamm aufgeschüttet werden. Die zur Sanna gelegene Seite werde mit massiven Steinen befestigt. Bürgermeister Thomas Lutz kann das Vorhaben nur begrüßen: „Uns ist jeder Beitrag recht, der zur Verbesserung der Sicherheit im Gewerbegebiet dient.“

Es komme jetzt darauf an, „das richtige Projekt“ zu entwickeln und umzusetzen, betonte Wildbach-Gebietsbauleiter Gebhard Walter. Die Herausforderung erschöpfe sich keinesfalls in einer simplen Dammschüttung. „Das könnte auch eine Falle sein“, so der Experte – wenn Wasser oder Schlamm vom Mühlbach über eine „Hintertüre“ eindringt. Die Profile von Sanna und Mühlbach müssten exakt geprüft werden.

Mit 40 zusätzlichen Soldaten traf gestern Dienstag abermals Verstärkung in der Grinner „Murenzone“ ein. In Summe sind 90 Grundwehrdiener bei den Aufräumarbeiten im Einsatz. Wie in den Tagen zuvor haben wieder bis zu 100 Feuerwehrleute aus dem ganzen Bezirk mitgeholfen. Verschmutztes Inventar aus dem Firmengebäude wurde gereinigt, etwa Kohlensäureflaschen und Werkzeug.

Für Rekultivierungsarbeiten in Strengen haben sich gestern zehn Asylwerber aus dem Landecker Flüchtlingsheim Kaifenau gemeldet. Die Bagger-Truppe schließlich konnte das Sanna-Becken deutlich sichtbar vertiefen.

Am Montag trafen auch 50 Soldaten vom Bau-Pionierzug des Bundesheeres mit Schubkarren, Pickeln und Schaufeln in der "Muren-Zone" ein.
Am Montag trafen auch 50 Soldaten vom Bau-Pionierzug des Bundesheeres mit Schubkarren, Pickeln und Schaufeln in der "Muren-Zone" ein.
- Wenzel