Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.03.2018


Katastrophen

Katastrophen in jedem fünften Ort

72 Millionen Euro werden in den Schutz vor Naturgefahren investiert. Der Klimawandel spielt dabei eine große Rolle. Hochwasserschutz im Unterland bleibt Herausforderung der Zukunft.

© zeitungsfoto.atIn Gschnitz riss ein Erdrutsch mehrere Autos mit. Verletzt wurde zum Glück niemand.



Von Marco Witting

Innsbruck – Dass Katastrophenereignisse häufiger und stärker über uns hereinbrechen, ist heftig umstritten. Da ist die subjektive Wahrnehmung, die dieses Bild prägt. Da ist immer mehr Infrastruktur, die im Falle eines Unwetters beschädigt werden kann. Und da ist auch die gestiegene Sensibilität für dieses Thema. In jeder fünften Tiroler Gemeinde hat es im Vorjahr „Katastrophenereignisse“, wie es das Land gestern nannte, gegeben. Das reicht von der Mure bis zum Felssturz, von mächtigen Lawinen bis hin zu kleinräumigeren Überflutungen. 72 Millionen Euro werden heuer für Schutzmaßnahmen ausgegeben. Die große Herausforderung für die Zukunft bleibt der Hochwasserschutz im Unterland. Und die Geduld von LHStv. Josef Geisler (VP) bei diesem Projekt „endet heuer“.

Bei einer derartigen Summe sind die Maßnahmen so vielfältig wie die Bedrohungen. Und es sind ganz neue Projekte dabei, ebenso die Modernisierung von alten Schutzbauten. Denn diese, so sagt es der Leiter der Sektion Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) Gebhard Walter, wurden zuletzt alle kategorisiert und überprüft. „Wir haben auch neue Normen, neue Dimensionierungsgrundlagen, andere Voraussetzungen etwa durch den Klimawandel.“ So werden einige der so genannten Schlüsselverbauungen umgebaut, ausgebaut, adaptiert. Unglaubliche 40.000 Bauten hat die WLV in Tirol in ihrem Portfolio. „Neben dem Neubau, wo wir etwa in Grins viel Geld investieren, ist auch die Instandhaltung und Wartung dieser Anlagen ein großes Thema“, sagt Walter.

In Grins, wo es sowohl 2016 als auch 2017 zu Vermurungen und Schäden kam, arbeitet die WLV eng mit der Abteilung Wasserwirtschaft zusammen. Deren neuer Leiter, Markus Federspiel, weist auf die gestiegene Bedeutung der Zusammenarbeit mit Naturgefahrenmanagement hin. „Wir haben in Grins etwa ein gemeinsames Schutzkonzept erarbeitet, um den Hochwasserschutz der Gemeinde zu sichern.“ Darin enthalten sind etwa eine 140 Meter lange Stahlbetonmauer am linken Ufer der Sanna, ein 22 Meter langer Hochwasserdamm und ein Schutztor an der Bundesstraße.

Das Beispiel Grins, so sagt es Walter, sei beispielhaft dafür, dass auch an Orten und Stellen, wo vorher nie größere Probleme aufgetreten seien, plötzlich Handlungsbedarf bestehe. 26 Millionen Euro sollen heuer in den Schutz von Wildbächen fließen. 20 Millionen sind für Maßnahmen bei Tal- und Hauptgewässern vorgesehen. Über zehn Millionen Euro werden in den Schutz vor Lawinen und Steinschlag investiert.

Und noch einmal 15 Millionen Euro fließen in den Schutzwald. Auch Landesforstdirektor Josef Fuchs will die Tiroler Wälder „klimafit“ machen. Gerade der Schutzwald sei um ein Vielfaches günstiger als jede Verbauung. Aber: „Wir müssen ihn auch pflegen und erhalten. Und hier gilt es, gerade nach dem Borkenkäferbefall vom Vorjahr, kräftig zu investieren.“

LHStv. Geisler sprach davon, dass man „alles tun müsse“, um die Sicherheit im Land zu gewährleisten. Einen „100-prozentigen Schutz“ werde es aber nie geben. Die 72 Millionen Euro von der öffentlichen Hand seien „ein Mammutprogramm“ und „ein absoluter Rekord“. Doch der besteht wohl nur so lange, bis das Projekt des Hochwasserschutzes im Unterland anläuft. Geisler sieht, wie auch schon im Vorjahr, das Projekt auf „einem guten Weg“. Wann dieser zu Ende gehe, wollte Geisler nicht sagen. Sehr wohl aber, wann es mit seiner Geduld zu Ende gehe. Und das sei „heuer“. Geisler zeigte sich aber optimistisch, dass die letzten Hürden für das Projekt (Gesamtvolumen wie berichtet rund 250 Millionen Euro) genommen werden und „alle an einem Strang ziehen“.


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