Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 12.08.2018


Exklusiv

West-Nil-Virus in Urlaubsparadiesen

An den Stränden der nördlichen Adria geht die Angst um. Zwei ältere Männer dürften an den Folgen einer Tropenkrankheit gestorben sein. Die Landessanitätsdirektion für Tirol ist in Alarmbereitschaft.

© Böhm, iStock; Montage: TTDas West-Nil-Virus wird durch Stechmücken auf den Menschen übertragen.



Von Anna-Lena Winsauer

Innsbruck – Fieber, Erbrechen, Kopf- und Muskelschmerzen oder Lymphknotenschwellung – das sind die Symptome des West-Nil-Fiebers. In Nordostitalien sind kürzlich 19 Fälle dieser Krankheit aufgetreten, wie die Südtiroler Tageszeitung Dolomiten berichtete. Sie führte bei zwei älteren Männern in Verona und Ferrara sogar zum Tod. Vor allem in der Gegend rund um Jesolo und Caorle wurden die Infektionen gemeldet. Die Tiroler Landessanitätsdirektion nimmt die Ereignisse ernst.

Die Vorfälle seien dennoch kein Grund zur Panik, meint Anita Luckner-Hornischer von der Landessanitätsdirektion: „In Tirol wurde das West-Nil-Virus bisher noch nie nachgewiesen. Nur in Ostösterreich ist es schon zu derartigen Infektionsfällen gekommen. In Österreich wird das Virus insgesamt nur fünf- bis siebenmal pro Jahr diagnostiziert.“ Außerdem treten laut Luckner-Hornischer nur bei 20 Prozent aller Infektionen auch Symptome wie Fieber auf. Zur Entzündung der Hirnhaut oder des Gehirns komme es bei einer Infektion nur selten. Weniger als ein Prozent der Ansteckungen führe bei Patienten zu bleibenden Schäden oder gar zum Tod.

„Vor allem für ältere Menschen und Personen mit Störungen des Immunsystems ist eine Ansteckung riskanter“, sagt Luckner-Hornischer. Wirt des West-Nil-Virus sind Vögel, übertragen wird es über Stechmücken.

„Wir beobachten die Situation natürlich mit Argusaugen. Solche Krankheiten kommen in der Regel nicht von heute auf morgen. Es ist daher wichtig, die Entwicklung von Krankheitsfällen und Mückenaufkommen im Blick zu behalten“, bestätigt Franz Katzgraber, Tirols Landessanitätsdirektor, die erhöhte Alarmbereitschaft seiner Abteilung.

Die Klimaerwärmung biete gute Voraussetzungen für die Entwicklung der aus Tropen eingeschleppten Mückenarten, sagt Katzgraber. So wurde hier zum Beispiel die Tigermücke in den letzten Jahren vereinzelt entdeckt. Sie gilt als Überträger von gefährlichen Krankheiten. „Auch das Auftreten dieser Mücke beobachten wir genau. Bisher haben wir in Tirol aber kein Problem damit“, sagt Katzgraber.

Ansteckungen auf heimischem Boden gibt es jedoch noch nicht. Tiroler würden sich nur hin und wieder im Urlaub infizieren, weiß der Sanitätsdirektor. Deshalb müssten Krankheiten wie zum Beispiel Malaria gelegentlich behandelt werden.

Obwohl die Gefahr einer Infektion mit einer tropischen Krankheit gering ist, rät Luckner-Hornischer dazu, im Sommer im Freien immer einen Insektenschutz zu verwenden. Bei Urlauben in Italien sei aufgrund der jüngsten Fälle von Infektionen mit dem West-Nil-Virus längere Kleidung ab der Abenddämmerung zu empfehlen. Gerade dann würden die Stechmücken aktiv werden. Bei Reisen in tropische Gebiete sei die Verwendung eines Moskitonetzes wichtig.

Um Mücken als Überträger von Krankheiten zu bekämpfen, gilt es laut Luckner-Hornischer, vor allem die Brutstellen von Mückenlarven zu vernichten: „Stechmücken legen ihre Eier ins Wasser, daher sollten Wasserstellen im Garten regelmäßig entleert werden. Auch Regentonnen sollten gut abgedeckt werden.“ Mit diesen Maßnahmen könne man aktiv dazu beitragen, das Risiko einer Ansteckung zu minimieren.