Letztes Update am Di, 30.10.2018 21:41

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Unwetter in Tirol

Regen, Sturm, Muren: Millionenschäden nach Unwetter in Osttirol

Sturm und Dauerregen haben die Einsatzkräfte in ganz Osttirol auf Trab gehalten. Zeitweise war der ganze Bezirk auf dem Straßenweg nicht mehr erreichbar, in zahlreichen Gemeinden gab es Stromausfälle. Am Dienstag entspannte sich die Lage.

Eine Mure verlegte die Jausenstation der Galitzenklamm am Fuße der Lienzer Dolomiten.

© APA/zeitungsfoto.atEine Mure verlegte die Jausenstation der Galitzenklamm am Fuße der Lienzer Dolomiten.



Lienz — Das Unwetter mit Sturm und Starkregen hat in Osttirol eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Die ganz große Katastrophe blieb zum Glück aus, die Schäden gehen trotzdem in die Millionen. Die Feuerwehren mussten zu Hunderten Einsätzen ausrücken, um umgestürzte Bäume zu entfernen oder überflutete Keller auszupumpen.

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"Wir haben die Nacht den Umständen entsprechend gut überstanden. Es gibt keine wesentlichen Personenschäden oder Vermissten. Das ist die gute Nachricht", so die Lienzer Bezirkshauptfrau Olga Reisner in den Morgenstunden.

Platter sagt finanzielle Hilfe zu

Die Wettersituation entspannte sich im Laufe des Dienstags, die Pegelstände der Bäche und Flüsse sanken deutlich. Bei einem Lokalaugenschein mit Bezirkseinsatzleiterin Reisner sagte Landeshauptmann Günther Platter am Dienstagnachmittag die finanzielle Unterstützung des Landes zur Behebung der Schäden zu.

Besonders betroffen sind die Straßeninfrastruktur, die Verbauungsmaßnahmen von vielen Bächen und Flüssen sowie auch die Jausenstation Galitzenklamm. Platter informierte auch Bundeskanzler Sebastian Kurz in einem Telefonat über die Situation in Osttirol.

„Ich bin tief betroffen von den Unwetterereignissen in Osttirol und weiteren Teilen Tirols und möchte zuerst einmal ein ganz herzliches Vergelt's Gott' allen Einsatzkräften, Behörden sowie freiwilligen Helferinnen und Helfern sagen. Nur durch den großen Zusammenhalt in der Bevölkerung und unter den Einsatzkräften konnte diese schwierige Nacht so gut bewältigt werden", betonte der Landeshauptmann .

Rund 400 Feuerwehrleute standen in Osttirol in der Nacht auf Dienstag im Einsatz, dazu noch 60 Kräfte des Roten Kreuzes und weitere von der Bergrettung, des Bundesheeres, des Bezirksbauamts, der Tinetz, der Polizei, der Wasserrettung und der Wildbach- und Lawinenverbauung.

Sturmschäden im Gemeindegebiet von Kals am Großglockner.
Sturmschäden im Gemeindegebiet von Kals am Großglockner.
- APA/Groder

In Arnbach im Gemeindegebiet von Sillian hatte der Pegel der Drau in der Nacht die hundertjährliche Hochwassermarke überschritten. Die Drau trat aber dennoch nicht über die Ufer 37 Personen mussten in Assling wegen drohender Murenabgänge aus ihren Häusern geholt werden. 35 davon konnten bei Bekannten und Verwandten untergebracht werden. Im Ortsteil Thal wurde ein Trinkwasserverbot erlassen.

Bezirk war stundenlang nicht mehr erreichbar

Der gesamte Bezirk Lienz sowie zahlreiche Orte in Osttirol waren stundenlang auf dem Straßenweg nicht erreichbar. Die Bezirkseinsatzleitung hatte in der Nacht drei Notunterkünfte in Osttirol für gestrandete Pendler und Reisende in Matrei, Lienz und Sillian einrichten lassen, die in der Nacht von knapp 100 Personen genutzt worden sind.

Wichtige Verkehrsverbindungen konnten im Lauf des Tages wieder geöffnet werden, unter anderem die B107 Großglocknerstraße und die B100 Drautalstraße bis Kärnten.

Die B108 Felbertauernstraße wurde am Nachmittag wieder einspurig für den Verkehr freigegeben, auch die L25 Defereggenstraße ist von km 0,00 bis km 24,80 Ladstatt wieder befahrbar. Einen Überblick zu den Straßensperren gibt es hier: "Verkehrslage in Osttirol"

Aufräumarbeiten an der Felbertauernstraße nach einem Murenabgang.
Aufräumarbeiten an der Felbertauernstraße nach einem Murenabgang.
- Brunner Images

Zahlreiche Gemeinden ohne Strom

Bis zu 19 Osttiroler Gemeinden waren stundenlang von Stromausfällen betroffen. Ursache dafür waren unterspülte Stromleitungen oder Baumstürze auf Stromleitungen. „Unsere Teams sind seit Montagabend trotz widrigster Bedingungen im Einsatz, um die Stromversorgung in den betroffenen Gebieten wiederherzustellen", erklärte Tinetz-Geschäftsführer Thomas Rieder am Dienstagnachmittag.

Aufgrund der vielen Straßensperren gestaltete sich das Vordringen der Störtrupps zu den Einsatzorten besonders schwierig. Wo es notwendig und trotz Sturm möglich war, wurde auf die Unterstützung von Hubschraubern zurückgegriffen.

In Abfaltersbach musst ein vom Hochwasser unterspülter Hochspannungsmast gesichert werden. In das Villgratental konnten die Tinetz-Störtrupps bis Dienstagnachmittag nicht vordringen. „Wo die Störungsbereiche zugänglich sind und ein gefahrloses Arbeiten möglich ist, wird mit Nachdruck an der Wiederversorgung gearbeitet", ergänzte Tinetz-Geschäftsführer Thomas Trattler, der zudem die betroffene Bevölkerung um Verständnis ersuchte.

Betroffen waren am Dienstagnachmittag noch Matrei, Kals, Schlaiten, Ainet, Innervillgraten, Außervillgraten, Heinfels, Leisach, Dölsach, Iselsberg-Stronach, Nikolsdorf, Tristach und Untertilliach.

Bahnstrecken in Osttirol und Kärnten gesperrt

Neben zahlreichen Straßensperren war auch der Zugverkehr stark betroffen. Das Hochwasser und die Orkanböen der letzten Stunden haben auch im ÖBB-Streckennetz ihre Spuren hinterlassen. So sind die Bahnstrecken zwischen Spittal Millstättersee und Lienz, Lienz und San Candido sowie Faak am See und Ledenitzen gesperrt. Auf der Karawankenbahnstrecke sind schwere Sturmschäden zu beseitigen, bis der reguläre Bahnverkehr wieder aufgenommen werden kann.