Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.11.2018


Osttirol

Der Sturm fällte in Osttirol 400.000 Festmeter Holz

Eine Woche nach der Sturmnacht sichten die Behörden die Schäden an den Waldflächen. In betroffenen Gebieten besteht Lebensgefahr.

© Blassnig ChristophDem Osten zugewandte Hänge in Südlage waren besonders betroffen. Auf mindestens zehn Quadratkilometer schätzt die Tiroler Forstdirektion die Waldflächen im Bezirk, die zum Teil völlig zerstört sind.



Von Christoph Blassnig

Dölsach – Es hat Tausende Waldbesitzer getroffen. Für manche, wie die beiden Dölsacher Vollerwerbsbauern Christian Moser und Herbert Korber, hat die Sturmnacht in der vergangenen Woche verheerende Auswirkungen. Zusammen besitzen die beiden 40 Hektar Wald am Ederplan, deren Bewirtschaftung einen wesentlichen Teil ihres Einkommens bedeutet hat. „Für mehrere Jahrzehnte fällt die Waldwirtschaft für mich komplett weg“, schildert Herbert Korber, der mit seinem Vater und einem Bruder gerade erst den Fahrweg zu den betroffenen Waldflächen freiräumt. „Ich kann es noch immer nicht glauben“, zeigt sich der junge Familienvater fassungslos. „Händisch wäre die Arbeit auf keinen Fall mehr zu schaffen.“ Korber hat gerade ein Haus gebaut. Jetzt braucht er eine 200.000 Euro teure Holzerntemaschine, um bis zum Frühjahr möglichst viel Fallholz noch aus dem Wald holen zu können. „Ich bin gerade dabei, irgendwie eine Finanzierung dafür aufzustellen.“

Mit LA Hermann Kuenz, Landesforstdirektor Josef Fuchs, Konrad Kreuzer von der Bezirkslandwirtschaftskammer, dem Präsidenten der Tiroler Landwirtschaftskammer Josef Hechenberger und dem Dölsacher Waldaufseher Franz Mietschnig waren am Dienstag Medienvertreter zu einem Lokalaugenschein auf den Dölsacher Hausberg Ederplan geladen. Der Landesforstdirektor ist im Anschluss noch nach Kals gefahren, um sich auch dort einen persönlichen Eindruck von den Schäden machen zu können.

Christian Moser, Hermann Kuenz, Konrad Kreuzer und Herbert Korber (v. l.) sind fassungslos angesichts der Rekordschäden.
- Blassnig Christoph

Fuchs zeigte sich angesichts der Schadensausmaße bei den Waldflächen im Bezirk betroffen. „Es hat in Tirol seit Menschengedenken noch keine so konzentrierte Zerstörung gegeben. Unvorstellbar.“ Vom Tal aus seien die kilometerweiten Windwurfflächen nicht zu sehen. In nur einer Nacht, vielleicht in nur einer Stunde, sei im Bezirk der Einschlag von zwei Jahren zu Fall gebracht worden. Ober- und Untertilliach, Innervillgraten, Kals, Matrei und Dölsach seien besonders schwer getroffen. „Wo es Gemeinschafts- oder Gemeindewälder sind, lässt sich der Verlust verteilen. Einzelne stehen jedoch vor dem Totalverlust ihrer Existenz“, macht Hermann Kuenz deutlich.

Das Einbringen des Holzes muss möglichst rasch erfolgen. Ab Mai droht sonst eine Borkenkäferplage, die auch noch auf die gesunden Wälder übergreifen könnte. „Wir müssen jetzt in Ruhe alle Risikoflächen bewerten und zuerst dort mit der Aufarbeitung beginnen“, mahnt der Landesforstdirektor zu koordiniertem Vorgehen. „Alle betroffenen Waldgebiete sind absolute Sperrgebiete für Radfahrer, Wanderer oder Spaziergänger. Es besteht selbst für erfahrene Profis Lebensgefahr auf den Hängen. Die Statistik spricht von einem Toten je 100.000 Festmeter Holz.“ Über die Bezirksforstinspektion und die Waldaufseher würden die Maßnahmen abgestimmt. Auch die Anträge an den Katastrophenfonds werden dort abgewickelt.

Es droht Lebensgefahr in allen gesperrten Gebieten.
- Blassnig Christoph

Am 9. November findet in Kals eine Informationsveranstaltung der Forstinspektion für alle Waldbesitzer statt. Am 12. folgt eine in Obertilliach, am 13. in Dölsach, am 14. in Assling und Außervillgraten und am 15. in Sillian und Ainet.

„Wir brauchen dringend Wege, um das Schadholz überhaupt bergen zu können“, sagt Christian Moser. Behördliche Genehmigungen seien erforderlich, damit die großen Erntemaschinen überhaupt an Ort und Stelle gebracht werden können. Zehntausende Lkw-Fuhren Holz werden abzuwickeln sein. 22 Mio. Euro beträgt der Schaden allein im Osttiroler Wald, Wegebau und Schutzmaßnahmen nicht eingerechnet.