Letztes Update am Mo, 11.03.2019 12:43

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Flugzeugkatastrophe

Nach tödlichem Absturz: Flugschreiber der Boeing in Äthiopien gefunden

Alle 157 Insassen kamen beim Absturz der Passagiermaschine ums Leben. Unter den Opfern sind drei Ärzte aus Österreich sowie ein gebürtiger Deutscher, der seit 20 Jahren als evangelischer Pfarrer in Kärnten tätig war.

Beim Absturz einer Boeing 737 der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines gibt es keine Überlebenden.

© APA/AFP/MICHAEL TEWELDEBeim Absturz einer Boeing 737 der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines gibt es keine Überlebenden.



Chicago/Peking/ Addis Abeba – Einen Tag nach dem Flugzeugabsturz in Äthiopien mit 157 Toten ist der Flugschreiber der verunglückten Maschine gefunden worden. Das berichtete am Montag Äthiopiens staatlicher Fernsehsender Fana. Ein Vertreter der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines bestätigte dies und erklärte, die Blackbox der Maschine vom Typ Boeing 737 Max 8 sei ersten Erkenntnissen zufolge beschädigt. Es sei daher noch unklar, wie viele Informationen daraus zu gewinnen seien.

- AFP

Flugschreiber enthalten unter anderem Aufzeichnungen der Flugdaten und der Cockpitgespräche, was für Ermittler sehr wichtig ist bei der Klärung der Unfallursache. Die Blackboxes sind so robust gebaut, dass sie normalerweise auch ein Unglück überstehen sollten.

Auch Villacher Pfarrer kam ums Leben

Unter den Opfern des Flugzeugabsturzes sind nicht wie zunächst angenommen drei, sondern sogar vier Österreicher. Neben drei jungen Ärzten aus Oberösterreich, die beruflich auf dem Wegs nach Sansibar waren, kam auch ein evangelischer Pfarrer aus Villach ums Leben. Das berichtete am Montag zunächst die Kleine Zeitung. Norman Tendis besaß zwar die deutsche Staatsbürgerschaft, war aber seit rund 20 Jahren als Pfarrer in Villach-St.Ruprecht tätig. Er soll auf dem Rückweg von einer Konferenz des lutherischen Weltkirchenrates gewesen sein. Der 51-Jährige hinterlässt eine Frau und drei Kinder. Bei dem Unglück kamen alle 157 Insassen der Passagiermaschine – 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder – ums Leben.

737 Max 8 in mehreren Ländern am Boden

Indes muss der relativ neue Flugzeugtyp Boeing 737 Max 8 in den ersten Ländern auf dem Boden bleiben. China und Äthiopiens nationale Fluggesellschaft erklärten am Montag ein Startverbot für alle baugleichen Maschinen. Ethiopian Airlines erklärte zum Startverbot des Typs Boeing 737 Max 8: „Auch wenn wir die Unglücksursache nicht genau kennen, haben wir uns entschlossen, diese Maschinen als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme am Boden zu belassen.“ In China dürfen fast 100 Boeing-Flugzeuge vorerst nicht mehr starten. Die Luftfahrtbehörde CAAC bestätigte am Montag, dass die Fluggesellschaften des Landes 96 Maschinen vom Typ der Unglücksmaschine Boeing 737 Max 8 besitzen. Die Behörde hatte Fluglinien zuvor angewiesen, Flüge mit der Boeing vorübergehend einzustellen, bis Sicherheitsrisiken ausgeschlossen werden können. Die Behörde verwies darauf, dass es bereits das zweite Unglück mit dem Maschinentyp in kurzer Zeit gewesen sei.

Zweiter Absturz von Boeing-Modell

Bei dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 der Fluglinie Lion Air im Oktober waren in Indonesien 189 Menschen ums Leben gekommen. Bei beiden Unglücken habe es „gewisse Ähnlichkeiten“ gegeben, teilte die CAAC mit. Beide Flüge waren bei guten Wetterverhältnissen kurz nach dem Start in Schwierigkeiten gekommen. Ein möglicherweise ähnlicher Fehler in der Elektronik konnte zunächst nicht ausgeschlossen werden.

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Auch die karibische Fluggesellschaft Cayman Airways erklärte, die beiden Boeing 737 Max 8 der Airline blieben vorerst am Boden, bis weitere Informationen zu dem Unglück in Äthiopien vorlägen. Der Flugzeugtyp wird von Hersteller Boeing seit 2017 ausgeliefert. Österreichische Fluglinien haben den Typ nicht im Einsatz. In Äthiopien begannen Experten am Montag mit der Identifizierung der Opfer und der Klärung der Unglücksursache.

Mitarbeiter der UNO unter Opfern

Die Unglücksmaschine, die von der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba in die kenianische Metropole Nairobi fliegen sollte, war Sonntagfrüh kurz nach dem Start abgestürzt. Nach Angaben der Airline waren unter den Todesopfern aus 35 Ländern unter anderem 32 Kenianer, 18 Kanadier, neun Äthiopier sowie jeweils acht US-Amerikaner, Italiener und Chinesen. Unter den Opfern waren nach UNO-Angaben auch circa 20 Mitarbeiter der Vereinten Nationen.

Ethiopian Airlines gilt als zuverlässige Fluggesellschaft und ist wie Austrian Airlines Mitglied des Bündnisses Star Alliance. Ethiopian bietet weltweite Verbindungen an, darunter auch nach Wien. In Afrika expandierte Ethiopian in den vergangen Jahren aggressiv und gilt mit der südafrikanischen South African Airways inzwischen als wichtigste Airline der Region.

Die Maschine auf Flug ET 302 stürzte nahe der Stadt Bishoftu ab, etwa 50 Kilometer südöstlich der äthiopischen Hauptstadt. Kurz nach Abflug habe der erfahrene Pilot einen Notruf abgesetzt und daraufhin die Freigabe zur Rückkehr erhalten, erklärte Ethiopian Airlines.

Die neue Maschine war zuletzt am 4. Februar gewartet worden. Ein Routine-Check unmittelbar vor dem Start am Sonntag habe keine Probleme aufgezeigt, sagte Airline-Chef Tewolde GebreMariam. Seit dem Kauf des Flugzeugs Ende 2018 sei es rund 1.200 Stunden im Einsatz gewesen. Der Pilot hatte seit 2010 für die Airline gearbeitet. Ethiopian hat noch vier weitere Maschinen des Typs Boeing 737 Max 8.

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Hersteller Boeing äußerte sich zunächst nicht näher zu dem Unglück. In einer Mitteilung auf der Website sprach Boeing den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und kündigte die Entsendung von Experten nach Äthiopien an. Diese sollten bei der Untersuchung der Unglücksursache helfen. In Äthiopien war bereits am Sonntag eine Sonderkommission von Experten der Flugsicherung, Verkehrsministerium und Fluggesellschaft gebildet worden, wie Ethiopian Airlines mitteilte.

Für Ethiopian ist es nicht das erste Unglück eines Flugzeugs. Am 25. Jänner 2010 stürzte eine Boeing 737-800 der Fluggesellschaft vor der libanesischen Küste ins Mittelmeer, die 90 Insassen starben. Im November 1996 wurde eine Maschine der Airline entführt. Sie war ebenfalls auf dem Weg von Addis Abeba nach Nairobi. Die Entführer forderten trotz zu geringer Treibstoffmenge, nach Australien geflogen zu werden. Der Kapitän entschloss sich zu einer spektakulären Notwasserung vor den Komoren, um möglichst viele Passagiere zu retten. 125 Insassen starben, rund 50 überlebten. (TT.com/APA/dpa)

Experte: Dramatische Situation für Luftfahrtbranche

Der Luftfahrtexperte Kurt Hofmann sieht nach dem neuerlichen Absturz einer fast fabriksneuen Boeing 737 Max 8 in Äthiopien eine „sehr dramatische Situation“ für die gesamte Luftfahrtbranche. Es könnte sein, dass bald eine Diskussion über ein weltweites Flugverbot losgetreten wird, sagte Hofmann am Montag in den Ö3-Nachrichten. „Jede Fluglinie fragt sich: Was ist das Problem?“

350 Flugzeuge des Typs seien in Betrieb, aber „über 5000 wurden bestellt“, so Hofmann. Die Situation sei insofern „sehr dramatisch“, als es sich „um eine neue Flugzeugtype handelt, eine neue Generation, und ein zweites Flugzeug dieses Typs binnen ein paar Monaten auf nahezu ähnliche Weise abstürzt“, sagte Hofmann mit Blick auf das Unglück einer baugleichen Maschine in Indonesien Ende Oktober.


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