Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.05.2019


Demokatische Republik Kongo

Osttiroler im Ebola-Einsatz: „Nur wenig Zeit für die Trendwende“

Der gebürtige Osttiroler Marcus Bachmann koordiniert für „Ärzte ohne Grenzen“ den Ebola-Einsatz in der Demokatischen Republik Kongo. Er warnt davor, dass die ohnehin kritische Lage außer Kontrolle geraten könnte.

Die hochansteckende Viruserkrankung Ebola breitet sich in der Demokratischen Republik Kongo rasend schnell aus.

© AFPDie hochansteckende Viruserkrankung Ebola breitet sich in der Demokratischen Republik Kongo rasend schnell aus.



Von Nikolaus Paumgartten

Goma, Wien – Dass die Aufgabe keine leichte sein würde, das hat Marcus Bachmann bereits im Vorfeld seines Einsatzes für Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières, MSF) in der Demokratischen Republik Kongo gewusst. Der gebürtige Osttiroler gilt als Experte auf dem Gebiet der strategischen Bekämpfung von Ebola und ist als stellvertretender Einsatzleiter seit Mitte April im zentralafrikanischen Land tätig. Die DR Kongo hat seit August des vergangenen Jahres gegen einen der verheerendsten Ebola-Ausbrüche überhaupt zu kämpfen.

Mittlerweile sind bereits rund 1100 Menschen an der hochansteckenden Viruserkrankung gestorben und die Epidemie ist nach wie vor nicht im Griff. „Dazu kommt, dass sich mit Anfang des Monats die Sicherheitslage deutlich verschlechtert hat“, berichtet Bachmann aus der DR Kongo im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. Das erschwere den Teams von Ärzte ohne Grenzen, aber auch den einheimischen Rettungs- und Hilfskräften den Zugang zu den von Ebola betroffenen Regionen massiv. So sind am Mittwoch bei einem Angriff auf Butembo, eine Großstadt im Ost-Kongo, acht Kämpfer einer örtlichen Miliz und ein Polizist getötet worden. Dutzende Angreifer konnten daran gehindert werden, ein Behandlungszentrum für Ebola-Patienten anzugreifen, so der Bürgermeister der Stadt.

„Es bleibt jetzt nur noch wenig Zeit für eine Trendwende, bevor eine zerstörerische Dimension erreicht ist.“ Marcus Bachmann
(Ebola-Experte MSF)Foto: Bachmann
„Es bleibt jetzt nur noch wenig Zeit für eine Trendwende, bevor eine zerstörerische Dimension erreicht ist.“ Marcus Bachmann
(Ebola-Experte MSF)Foto: Bachmann
- Aerzte ohne Grenzen

Marcus Bachmann koordiniert vom rund 300 Kilometer weiter südlich gelegenen Goma aus die Einsätze. „Aus Butembo hat sich Ärzte ohne Grenzen bereits nach Überfällen Ende Februar zurückziehen müssen“, erklärt er. Derzeit seien dort nur noch einige wenige Helfer im Einsatz, man konzentriere sich auf Gebiete, die als sicher gelten. Viele der Maßnahmen zur Bekämpfung von Ebola können so nur lokal umgesetzt und nicht breit angelegt werden, wie es eigentlich sinnvoll wäre. Entsprechend angespannt bleibt die Lage. „Alleine in der vergangenen Woche hat es 106 neue Erkrankungen und 88 Tote gegeben“, sagt Bachmann und schlägt Alarm. „Es bleibt jetzt nur noch wenig Zeit für eine Trendwende, bevor eine zerstörerische Dimension erreicht ist.“ Schließlich waren in drei der vergangenen vier Wochen die meisten neuen Ebola-Fälle zu verzeichnen.

Ärzte ohne Grenzen ist in rund einem Dutzend Orten mit knapp 100 Mitarbeitern in Ebola-Gebieten im Einsatz, zählt man die lokalen Hilfskräfte dazu, so kämpfen aktuell über 1000 Menschen gegen die Epidemie. Der Fokus der Mission liegt laut Bachmann darauf, eine neue Strategie umzusetzen, bei der die Ebola-Bekämpfung in die vorhandene Gesundheitsversorgung integriert wird. Damit soll für potenziell Erkrankte die Hemmschwelle gesenkt werden, Einrichtungen aufzusuchen und sich untersuchen zu lassen. Erreicht wird das unter anderem durch die Errichtung so genannter Triagen. Dabei handelt es sich um den Gesundheitseinrichtungen vorgelagerte Aufnahmegebäude, in denen eine Erstdiagnose gestellt wird. Bestätigt sich der Ebola-Verdacht, wird der Patient zum Schutz des Personals und der anderen Patienten isoliert und in einer speziellen Ebola-Einrichtung weiterbehandelt. Die Angst vor dem Stigma der Ebola-Erkrankung führe oft dazu, dass Menschen viel zu spät die Einrichtungen aufsuchen, berichtet Bachmann. Das stelle für Pflegepersonal, Angehörige und im Fall des Todes bei der Bestattung ein enormes Ansteckungsrisiko dar. Wichtiger Teil der Strategie ist daher auch die Aufklärung und Vernetzung innerhalb der Bevölkerung.

Marcus Bachmann wird noch knapp vier Wochen in der DR Kongo bleiben und dann nach Österreich zurückkehren. Was ihn und seine Kollegen trotz der scheinbar aussichtslosen Lage antreibt, ist das Wissen um die Notwendigkeit und Alternativlosigkeit des Einsatzes.

Für Spenden an Ärzte ohne Grenzen gibt es bei der Raiffeisen Bank ein Spendenkonto: IBAN: AT97 3200 0000 0051 8548; BIC: RLNWATWW.