Letztes Update am Di, 11.06.2019 19:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Neue Unwetter mit Orkanböen und Hagel in Deutschland erwartet

Ein Hagel-Unwetter hat am Montag in Bayern Spuren der Verwüstung hinterlassen. Die Feuerwehren standen im Dauereinsatz, mehrere Menschen wurden verletzt. Am Dienstagabend und am Mittwoch drohen neue Unwetter.

In den sozialen Medien wurden mehrere Hagel-Fotos wie dieses geteilt.

© Twitter/Dietmar BauerIn den sozialen Medien wurden mehrere Hagel-Fotos wie dieses geteilt.



München — Nach Starkregen und Hagelschauern in der Nacht auf Dienstag rechnet der Deutsche Wetterdienst (DWD) für den Abend und Mittwoch mit weiteren Unwettern. Meteorologen erwarten örtlich "tischtennisballgroße Hagelkörner und einzelne Orkanböen".

Fast 900 Mal waren Polizei und Feuerwehr in München und anderen Regionen Oberbayerns in der Nacht auf Dienstag ausgerückt. Ungewöhnlich große Hagelkörner zertrümmerten nach Angaben der Einsatzkräfte zahlreiche Autoscheiben, Dachfenster und teils auch Gebäudefassaden, es gab zudem mehrere Verletzte. Manche Augenzeugen sprachen von tennisballgroßen Hagelkörnern. Eine Gesamtschadenssumme könne nicht genannt werden, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Ingolstadt.

In Bayern gab es laut Deutschem Wetterdienst (DWD) dazu Orkanböen von bis zu 120 Stundenkilometern und große Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu sechs Zentimetern. In München traf es besonders die westlichen Stadtteile. Laut Berufsfeuerwehr zerschlugen Hagelkörner Fensterscheiben, anschließend liefen die Wohnungen voller Regen. Laub verstopfte die Kanaldeckel, was zu überfluteten Fahrbahnen und Unterführungen führte.

Gegen 22 Uhr drohte ein Damm an der Würm zu brechen. Durch querliegende Bäume an einem Wehr hatte sich das Wasser zurückgestaut und drohte über die Ufer zu treten. Das konnte die Feuerwehr durch den Einsatz von Sandsäcken gerade noch verhindern.

Auch wenn es in den östlichen Stadtteilen Münchens nicht hagelte, so hinterließ das Unwetter dennoch seine Spuren. Eine Tiefgarage wurde vom Regen überflutet, die Feuerwehr brauchte mehr als sechs Stunden, um das Wasser von der rund 4000 Quadratmeter großen Fläche zu abzupumpen. Die Einsatzkräfte mussten auch ein acht Stockwerke hohes Gerüst sichern, dass der Wind gelockert hatte.

Unwetter wüteten auch vom Ostallgäu bis nach Kempten, wie ein Polizeisprecher sagte. In Bidingen seien ein Siebenjähriger und zwei Männer durch einen umstürzenden Baum verletzt worden. Die Radfahrer hätten Schutz unter einem bereits umgestürzten Baum gesucht, als ein zweiter drauf krachte. Der Bub sei schwer, die Männer leichter verletzt worden, sagte der Sprecher.

Auch Bahnverkehr betroffen

Die schweren Gewitter wirkten sich auch auf den Bahnverkehr im Großraum München aus. Mehrere Bäume fielen auf die Gleise. S-Bahnen fuhren am frühen Abend zeitweise im gesamten Netz nicht, Züge wurden in Bahnhöfen zurückgehalten, wie aus dem Online-Informationssystem der Deutschen Bahn hervorging. Eine Sprecherin sprach von Ausfällen und Verspätungen von 20 bis 60 Minuten. Ein Sprecher der Feuerwehr München berichtete von zwei beschädigten S-Bahn-Oberleitungen im Stadtgebiet.

Der Regionalverkehr auf der Strecke München - Landshut wurde nach Angaben der Bahn-Sprecherin eingestellt, weil ein Baum auf den Gleisen lag und eine Oberleitung abgerissen war. Zunächst konnte die Sprecherin nicht sagen, wann dort der Verkehr wieder aufgenommen wird. Die Länderbahn stellte nach eigenen Angaben den Verkehr mit alex-Zügen im Großraum München ein. Der Deutsche Wetterdienst warnte bis Donnerstagfrüh vor Starkregen, Hagel und Sturmböen bis zu 120 Stundenkilometer. (TT.com, APA/dpa)