Letztes Update am Sa, 31.08.2019 11:27

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hurrikan

„Dorian“ mit Kurs auf Florida, zwei Österreicherinnen bringen sich in Sicherheit

Hurrikan „Dorian“ gewinnt über dem Atlantik weiter an Stärke. Als Wirbelsturm der Stufe zwei bewegt er sich nun Richtung USA und könnte ab Sonntag auf die Südostküste treffen. Zwei österreichische Studentinnen erleben die Vorkehrungen mit.

Das Zentrum des Hurrikans steuert derzeit aus der Karibik kommend langsam auf die US-Küste zu.

© NOAA/RAMMBDas Zentrum des Hurrikans steuert derzeit aus der Karibik kommend langsam auf die US-Küste zu.



Washington, Melbourne — Um dem nahenden Hurrikan "Dorian" zu entgehen, haben sich Studentinnen des Eastern Florida State College (EFSC) in Melbourne am Freitagvormittag (Ortszeit) auf den Weg nach North Carolina gemacht. Den ungeplanten Roadtrip erleben auch zwei junge Österreicherinnen mit.

Anja Knoflach (19) aus Gratwein-Straßengel (Bezirk Graz-Umgebung) und die gleichaltrige Sara Solyom aus Wien studieren seit wenigen Wochen am EFSC. Beide gehören auch dem Basketballteam der "Titans" an. Witterungsbedingt ruhen Studium und Sport vorerst. Die Universität an der Ostküste Floridas bleibt zumindest bis Dienstag geschlossen. Eine Entscheidung darüber, ob der Betrieb am Mittwoch wieder aufgenommen wird, werde zu einem späteren Zeitpunkt fallen, lautete die Mitteilung auf der EFSC-Website.

Es gehe durchaus "rund", hatte Anja Knoflach bereits am Donnerstag (Ortszeit) berichtet. Schon zu diesem Zeitpunkt habe es Treibstoffengpässe an Tankstellen gegeben, Wasser in Supermärkten sei ausverkauft gewesen. In der Nacht auf Freitag begannen die Steirerin und die Wienerin ihre Koffer zu packen.

Nach North Carolina ging es mit zwei Autos. Zumindest elf Stunden Fahrzeit waren eingeplant. Auf den Weg machten sich all jene Mädchen und junge Damen, die keine Angehörigen in Florida selbst bzw. der Nähe haben, erzählte Anja Knoflach. "Wir werden acht Spielerinnen des Basketballteams sein, dazu unsere Trainerin MJ Baker mit ihrer Familie."

"Die wichtigsten Sachen" wie Reisepass oder Laptop haben die beiden Österreicherinnen eingepackt. Zudem trafen sie in ihren Apartments so gut wie möglich Vorsorge, um nach der Rückkehr keine bösen Überraschungen zu erleben. "Wenn unsere Trainerin will, dass wir wegfahren", könnte der Hurrikan wirklich schlimm werden, ließ die Steirerin vor der "Flucht" aus Florida wissen. Andere Studentinnen hätten ihr das so gesagt.

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Trump warnte eindringlich und sagte Reise ab

Präsident Donald Trump warnte mit eindringlichen Worten - und sagte eine geplante Polen-Reise vorsorglich ab. "Alles deutet darauf hin, dass er sehr hart zuschlagen wird und dass es sehr groß wird", sagte Trump am Donnerstagabend (Ortszeit) in einer Videobotschaft. "Es sieht so aus, als wenn es ein absolutes Monster sein könnte."

"Dorian" sammelt derzeit über dem warmen Wasser des westlichen Atlantiks Kraft und gilt mit Windböen von bis zu 170 Kilometern pro Stunde inzwischen als Hurrikan der Stufe zwei. Bis er in Florida auf Land trifft, könnte er allerdings die Stufe vier von insgesamt fünf erreichen, sagte der Leiter des Hurrikan-Zentrums, Ken Graham.

Zu Hurrikans dieser Größenordnung erklärte das Zentrum: "Es wird zu katastrophalen Schäden kommen". Solche Stürme verursachten heftigen Regen, zerstörerische Winde und lebensgefährliche Überschwemmungen. Sie rissen Strommasten und Bäume um, zerstörten Wohnhäuser. In der Folge könnten betroffene Gebiete für Tage oder gar Wochen ohne Strom und unbewohnbar sein.

Menschen wappnen sich mit Hamsterkäufen

Noch ist unklar, wo genau der Hurrikan auf Land treffen wird. Daher müssten sich die Menschen von den Florida Keys südlich von Miami bis hin zum nördlich angrenzenden Bundesstaat Georgia für den Sturm wappnen. "Es ist zu früh, um Entscheidungen über Evakuierungen zu treffen", sagte der Bürgermeister von Jacksonville Lenny Curry laut New York Times.

US-Medien berichten von Hamsterkäufen und langen Schlangen an Tankstellen. Regale in Supermärkten seien vielerorts leer. Konserven, Trinkwasser, Hygieneartikel und Bananen waren ausverkauft, berichtete Abrooke Koontz, Anrainerin in Port Orange, dem Sender CNN. "Menschen versuchten, um die Wette zu rennen", sagte sie. "Es ist wie in einem Irrenhaus", meinte Tankstellen-Mitarbeiterin Ashli Presnell gegenüber der "New York Times". Die Autos reihten sich den ganzen Tag schon Stoßstange an Stoßstange.

Viele kaufen Trinkwasser und andere Vorräte für den Notfall und räumen so Supermarktregale leer.
Viele kaufen Trinkwasser und andere Vorräte für den Notfall und räumen so Supermarktregale leer.
- AFP

"Jeder Einwohner von Florida sollte für mindestens sieben Tage Vorräte haben, darunter Essen, Wasser und Medizin sowie einen Plan für den Katastrophenfall", betonte der Gouverneur von Florida, Ron deSantis bereits am Mittwoch. "Holt euch Wasser, Benzin und Bargeld aus den Bankomaten", sagte der Bürgermeister der Stat West Palm Beach, Keith James, dem Sender CNN. In Florida gilt mittlerweile der Ausnahmezustand ebenso wie in Küstengebieten Georgias. Dies soll die Vorbereitungen und Rettungseinsätze erleichtern.

Hurrikan könnte genauso oder schlimmer als "Andrew" sein

Trump sprach von Befürchtungen, dass der Wirbelsturm genauso folgenreich werden könnte wie einst Hurrikan "Andrew" - oder gar noch schlimmer. Als "Andrew" 1992 als Sturm der Kategorie fünf auf die Ostküste Floridas traf, kamen Dutzende Menschen ums Leben. Die Schäden in verschiedenen Bundesstaaten beliefen sich damals auf rund 43 Milliarden US-Dollar.

Das Zentrum des Hurrikans steuert derzeit aus der Karibik kommend langsam auf die US-Küste zu. Am Mittwoch war "Dorian" östlich des US-Außengebiets Puerto Rico an den Jungferninseln vorbeigezogen. Es gab dort zunächst keine Berichte über große Schäden oder Opfer. Am Sonntag soll der Wirbelsturm über den Nordwesten der Bahamas ziehen. Der Sturm trifft die USA an einem verlängerten Wochenende - am Montag ist dort ein Feiertag. Einige Fluggesellschaften ließen Passagiere Flüge kostenlos umzubuchen, wie US-Medien berichteten.

Statt Trump werde nun Vizepräsident Mike Pence für die USA an den Gedenkveranstaltungen zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in Polen teilnehmen. Er habe dies telefonisch auch Polens Präsident Andrzej Duda erklärt und hoffe, die Reise bald nachholen zu können, sagte Trump. Er sollte ursprünglich am Sonntagmorgen in Warschau ankommen. (APA/dpa)

Verriegelte Fenster in Miami: Florida wappnet sich für den Hurrikan.
Verriegelte Fenster in Miami: Florida wappnet sich für den Hurrikan.
- AFP



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