Letztes Update am Di, 19.11.2013 11:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tiefdruckgebiet „Cleopatra“

Wassermassen stürzen Sardinien ins Chaos: mindestens 17 Tote

Das Tiefdruckgebiet „Cleopatra“ bringt der italienischen Mittelmeerinsel Sardinien Tod und Zerstörung. Flüsse werden zu reißenden Fluten, Straßen sind unpassierbar, Brücken stürzen ein. Mindestens 17 Menschen kamen ums Leben.

Teile Sardiniens stehen auch am Dienstag unter Wasser.

© ANSATeile Sardiniens stehen auch am Dienstag unter Wasser.



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- APA

Olbia - Das Tiefdruckgebiet „Cleopatra“ hat auf der italienischen Mittelmeerinsel Sardinien bereits mindestens 17 Menschen in den Tod gerissen. Hunderte mussten wegen der schweren Unwetter ihre Häuser verlassen. Straßen wurden überschwemmt, Orte von der Außenwelt abgeschnitten. Züge konnten nicht weiterfahren, Flüge und Fähren waren verspätet. Teilweise fiel der Strom aus. Brücken stürzten in sich zusammen.

Die Rettungskräfte standen die ganze Nacht im Einsatz. Rund 600 Mal mussten die Feuerwehrmannschaften ausrücken, um der Bevölkerung Hilfe zu leisten. Zwei Personen werden noch vermisst.

Familie unter einstürzender Brücke begraben

Nahe der Hafenstadt Olbia im Nordosten der Insel kamen am Montag drei Angehörige derselben Familie ums Leben, als ihr Auto unter einer eingestürzten Brücke begraben wurde. Eine Mutter und ihre Tochter wurden tot in ihrem Wagen gefunden, der ebenfalls in Olbia von den Wassermassen fortgerissen worden war. Ein Polizist wurde getötet, als er mit drei Kollegen einen Krankenwagen eskortierte und das Polizeiauto von den Fluten mitgerissen wurde.

Mehrere Brücken stürzten ein, wie hier nahe Oliena.
Mehrere Brücken stürzten ein, wie hier nahe Oliena.
- ANSA

Eine 64-jährige Frau starb, als ihr Haus in dem Dorf Uras im Südwesten der Insel überflutet wurde. Bei dem achten Opfer handelte es sich offenbar um einen Mann, der beim Einsturz einer weiteren Brücke ums Leben kam. Eine 90-jährige Frau wurden zudem tot in einem überschwemmten Haus nahe Nuoro im bergigen Zentrum Sardiniens gefunden.

Auch dieser Tunnel in Nuoro steht unter Wasser.
Auch dieser Tunnel in Nuoro steht unter Wasser.
- EPA

Drei weitere Leichen wurden in Torpè entdeckt, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Dienstagvormittag wurde die Leiche eines vermissten Kindes geborgen, berichtete der Präsident der Region Sardinien Ugo Cappellacci. Zu den Opfern zählt zudem eine vierköpfige Familie aus Brasilien, die sich in ihrer Wohnung in der Ortschaft Arzachena befand, als sie vom Wasser weggerissen wurde.

Mehrere Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht, unter ihnen drei Polizeibeamte, die bei dem Brückeneinsturz verletzt wurden.

Teilen der Ferieninsel hat „Cleopatra“ an einem Tag mehr Regen gebracht als üblicherweise der gesamte November: „In der Station Olbia hat es 93 Liter auf den Quadratmeter in 24 Stunden geregnet“, sagte der Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes, Stefan Bach. Normalerweise betrage der Niederschlag auf Sardinien im gesamten Monat November durchschnittlich 76 Liter pro Quadratmeter.

Letta: „Unglaubliches Drama“

Der italienische Premier Enrico Letta sprach von einem nationalen Drama unglaublichen Ausmaßes. „In wenigen Stunden ist in der Gegend so viel Regen wie in einem Halbjahr gefallen“, berichtete Letta. Ein Notstandskomitee wurde eingesetzt, um den evakuierten Familien Unterstützung zu sichern und die Schäden zu überprüfen. „Der Staat wird alles unternehmen, um den betroffenen Familien Hilfe zu leisten“, betonte Letta, der nach Sardinien reisen wird.

Eine Frau in Olbia watet durch ihren überfluteten Garten.
Eine Frau in Olbia watet durch ihren überfluteten Garten.
- ANSA

Laut dem Bürgermeister von Olbia, Gianni Giovannelli, sind 20.000 Menschen von den Unwettern betroffen. Der Chef des italienischen Zivilschutzes, Franco Gabrielli, berief für den späten Abend eine Sitzung des Zivilschutzes ein. Auch für Dienstag wurden wegen der Schlechtwetterfront „Cleopatra“ weitere Regenfälle erwartet. (tt.com/APA/dpa)