Letztes Update am Mo, 30.10.2017 14:30

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Israel

Soldatin teilt aus: Karate-Tritte gegen 50 Ultraorthodoxe

Das Video der mutigen israelischen Soldatin Nomi Golan macht derzeit im Netz die Runde. Es zeigt die Frau, wie sie über 50 ultraorthodoxe Juden im Zaum hält - mit Karate-Tritten und Kung Fu-Schlägen.

© Screenshot/YouTube "Sie haben mich angegriffen. Deshalb habe ich mich verteidigt", sagt Nomi Golan.



Jerusalem - Sie wird angepöbelt, als Hure beschimpft, bespuckt und angegriffen. Doch Nomi Golan lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, setzt zum Tritt an und schlägt somit die sie umringenden Männer - sie alle tragen einen Hut, die meisten einen Bart und auffällige Haarlocken, die links und rechts ihr Gesicht umrahmen - zurück.

Golan ist Soldatin beim israelischen Heer, hatte die Aufgabe ein Auto in Jerusalem durch eine Gruppe protestierender ultraorthodoxer Juden zu lotsen. Eigentlich wäre es ihre Aufgabe gewesen zum Anführer der Demonstranten vorzudringen und ihn zu bitten friedlich die Straße zu räumen. Die gewaltbereiten, hauptsächlich jungen Männer waren aber nicht dazu bereit. Über 50 von ihnen stellten sich ihr in den Weg.

Das Video (oben) der mutigen Frau wird derzeit im Internet, auf Facebook und Twitter, fleißig geteilt. Zu dem Vorfall war es bereits am Montag vor zwei Wochen gekommen.

"Ich habe mich verteidigt"

"Sie haben mich angegriffen. Deshalb habe ich mich verteidigt. Egal ob Soldatin, Zivilist, eine junge oder alte Frau - ich hätte es in jeder anderen Situation genauso gemacht", wird sie von der Washington Post zitiert, die sich auf einen Bericht in einer hebräischen Regionalzeitung bezieht.

Seit mehreren Wochen kommt es in Jerusalem und anderen israelischen Städten immer wieder zu Protesten und schweren Ausschreitungen. Die Demonstranten lehnen eine Wehrpflicht für Ultraorthodoxe ab. Anlass der Proteste ist ein Urteil des Obersten Gerichtshofes, demzufolge die Befreiung vom Wehrdienst für Ultraorthodoxe nicht gerechtfertigt ist. Die israelischen Gesetze verpflichten Männer über 18 Jahren zu zwei Jahren und acht Monaten Wehrdienst, Frauen müssen zwei Jahre lang Dienst tun.

Seit Wochen toben in Israel heftige Proteste. Hier wird ein ultra-Orthodoxer Jude von Sicherheitskräften in Gewahrsam genommen.
- AFP

Strenggläubige Juden und Araber die in Israel leben, sind seit der Staatsgründung Israels im Jahre 1948 von der Wehrpflicht ausgenommen. Die ultraorthodoxen Juden zugunsten der Talmundstudien. Nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofes aus dem September ist diese Ausnahmeregelung allerdings nicht Verfassungskonform. Die Richter legten eine einjährige Übergangsfrist fest, in der nach einem Kompromiss gesucht werden kann.

Talmundstudien und Ablehnung des Staates Israel

Die Gründe für die Wehrdienstverweigerung der Ultraorthodoxen sind verschieden. Einige von ihnen weigern sich, Israel als Staat anzuerkennen. Andere legen großen Wert auf ganztägige Talmudstudien und wollen nicht mit den rauen Umgangsformen beim Militär konfrontiert werden. (bfk)