Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 12.08.2018


Diebstahl

Die Hotelgäste mit ganz spezieller Sammelleidenschaft

Im Koffer hat noch ein Bademantel Platz. Eine internationale Studie machte sich auf die Suche nach den Langfingern unter den Hotelgästen. Von Souvenirjägern ohne Genierer, die meinen: Das Silberbesteck ist im Preis inbegriffen.

© Foto TT / Rudy De MoorHotelsilber und Kleiderbügel aus Satin, Teller mit Goldrand oder hochwertige Toilettenartikel verschwinden häufig.



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck — „Was macht der Gast mit dem Hotelfernseher in der Tiefgarage?" Er bringt das angeblich kaputte Gerät eigenhändig zur Reparatur, um dem Personal keine Umstände zu bereiten. Was wie ein kleiner Witz unter Hotelangestellten klingt, bezieht sich auf einen konkreten Vorfall und die elegante Art eines verblüfften Mitarbeiters, mit der peinlichen Situation umzugehen. Er hatte den Gast in einer Seefelder Luxusunterkunft auf frischer Tat ertappt, und damit dieser sein Gesicht wahren konnte, ging er auf die hastig erfundene Geschichte ein. Anschließend übergab er das Gerät höflich, aber bestimmt einem herbeigerufenen Hoteldiener.

„Das war die schrägste Geschichte, die mir bisher in Zusammenhang mit Diebstählen passiert ist", sagt Christoph Steinbach. Er war dieser vornehm zurückhaltende Mitarbeiter, heute ist er Verkaufsleiter des Grand Hotel Europa in Innsbruck. Dort sind besonders Bademäntel mit Emblem bei den Gästen „als Souvenir sehr beliebt", wie er sich ausdrückt. Leider vergessen manche, dafür zu bezahlen, auch wenn es die Mäntel — noch unbenützt — an der Rezeption um 100 Euro zu kaufen gibt. Die Höhe des Preises zeigt: Die durch Diebstahl entstehenden Kosten sind erheblich, es handelt sich nicht um Kavaliersdelikte.

- Foto TT / Rudy De Moor

Die Faszination von Hotelbademänteln scheint ein internationales Phänomen zu sein, auch wenn sie auf der Hitliste der am häufigsten geklauten Gegenstände nach Handtüchern erst an zweiter Stelle liegen. Der Wellness Heaven Hotel Guide hatte für eine Untersuchung 1093 Hoteliers vor allem in Österreich, Deutschland und der Schweiz befragt.

- Foto TT / Rudy De Moor

Florian Werner vom Arlberg Hospiz Hotel spricht von einem „normalen Schwund" auch an Kleiderbügeln, Gläsern oder Porzellan, der sich aber in Grenzen halte. „Und wenn auf den Gegenständen der Hotelname draufsteht, dann ist das ja auch Werbung", sagt der Vizepräsident der Österreichischen Hoteliervereinigung Region West. Auch werde keine Rechnung nachgeschickt, sollte einmal ein Bademantel fehlen, wie in manchen Häusern praktiziert. „Wenn die Hotelrechnung 10.000 Euro beträgt, dann ist das kein Thema." Außerdem könne es vorkommen, dass einmal ein Badetuch oder -mantel in der Sauna liegen bleibe. „Ich habe Vertrauen."

Von früheren Arbeitsverhältnissen in anderen Hotels weiß Laura Schmitt vom Empfang des Weißen Rössls in Kitzbühel, dass manche etwa Kissen oder auch Fernseher mitgehen ließen. In dem Fünf-Sterne-Hotel selbst seien die Gäste aber sehr ehrlich. „Manchmal fehlt etwas aus der Minibar, das beim Auschecken vergessen wurde zu bezahlen, das ist alles." Außerdem würde es sofort auffallen, sollten — wie in der Befragung — größere Gegenstände mitgenommen werden.

„Give-aways" werden Geschenke genannt, die bei manchen Feiern zum Abschied an Gäste verteilt werden. In Hotels gehören dazu wohl nicht immer absichtlich Streichholzschachteln oder Kugelschreiber, die in den Zimmern aufliegen, Patschen für den Wellnessbereich, abgepackte Seifen und andere Toiletteartikel — Dinge, die ohne nachzudenken eingesteckt werden. „Manche sammeln sie auch oder wollen damit ein bisschen Hotelflair nach Hause mitnehmen", sagt Christoph Steinbach. Beim Hotelsilber oder den Tellern mit vergoldetem Rand — „bei Hochzeiten muss man besonders gut auf das Geschirr aufpassen" — hört sich das Verständnis aber auf. Und natürlich bei Fernsehern, allerdings können diese außerhalb des Hotels gar nicht in Betrieb genommen werden. „Sie sind an unser System angeschlossen und haben nicht die nötige Software dafür."

Skurriles

Ein komplettes Service hat ein Stammgast eines Hotels „gesammelt". Er ließ regelmäßig immer wieder Teller, Tassen, Besteck und Gläser mitgehen.

Plötzlich fehlte das Piano: Ein Hotelier aus Italien konnte nicht fassen, als eines Tages das große Piano aus der Lobby fehlte.

Badarmaturen ließen Gäste aus einem Berliner Hotel mitgehen. Um sie fachgerecht abzumontieren, brauchte es handwerkliche Fähigkeiten.

Zimmernummern: Als ein Gast in England sein Zimmer nicht finden konnte, fiel auf, dass sein Vorgänger die Nummer mitgenommen hatte.




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