Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 04.09.2018


Bezirk Kufstein

„Krümel“ aus Garage gerettet

Ein noch blinder Siebenschläfer hatte sich in die Tiefgarage eines Einkaufszentrums verirrt und wurde beinahe überfahren.

© HrdinaDer noch blinde Siebenschläfer hatte sich in die Tiefgarage des Einkaufszentrums verirrt und wurde beinahe überfahren.



Von Jasmine Hrdina

Wörgl – Völlig blind und hilflos irrte ein junger Siebenschläfer vor zwei Wochen in der Tiefgarage des Einkaufszentrums im Wörgler Westen umher und drohte dort von Autos überfahren zu werden, als ihn ein Pärchen entdeckte und von der Fahrbahn rettete. Unsicher, was sie da eigentlich mithilfe eines Kartons eingefangen hatten, kontaktierten die beiden Wörgler das Tierheim. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. „Der Siebenschläfer war erst zwei Wochen alt und noch blind“, berichtet Nadine Eberharter vom Tierheim Mentlberg in Innsbruck. „Die Jungtiere fallen manchmal aus ihren Nestern oder werden von Katzen herausgeholt. Die Mutter findet sie dann nicht mehr. Es ist gut, wenn man uns diese Tiere bringt, sie würden sonst nicht überleben“, meint die Wildtierpflegerin.

Eine Woche lang bekam der Siebenschläfer aus der Tiefgarage intensive Betreuung mit Pipette und Katzenaufzuchtsmilch, „mittlerweile frisst er Obst und zuckerfreie Babynahrung“, so Eberharter, die den kleinen Nager auf den Namen „Krümel“ getauft hat. Für eine Auswilderung sei es heuer aber schon zu spät. Tiere, die von menschlicher Hand aufgezogen werden, finden sich nicht so schnell in der Natur zurecht. Jetzt im Spätsommer beginne aber eine intensive Zeit für die Nager, schließlich gilt es, sich mit Nüssen und Obst genügend Fettreserven für den Winterschlaf anzufressen. Siebenschläfer graben sich im September tief in die Erde und verweilen dort noch länger, als ihr Name vermuten lässt – nämlich bis zu acht Monate.

In einem Karton wurde der kleine Nager erst einmal festgehalten, bis die Mitarbeiterin des Tierheims zu Hilfe eilte.
- Hrdina

„Krümel“ wird diesen Winter allerdings in den warmen vier Wänden des Tierheims verbringen, erklärt Eberharter. Dort habe er bereits Freunde gefunden – erst vor wenigen Tagen wurden drei weitere Jungtiere am Mentlberg abgegeben. „Krümel“, „Keks“, „Krapfen“ und ein noch namenloser Kollege sollen dann im Frühjahr in die freie Natur entlassen werden. Dort könnte ihnen ein verhältnismäßig langes Leben bevorstehen: Die Tiere werden bis zu neun Jahre alt.