Letztes Update am So, 16.09.2018 20:30

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Verhaftet oder geflohen? Chinas größter Filmstar spurlos verschwunden

Fan Bingbing gehört zu den bestbezahlten Schauspielerinnen der Welt. Nicht nur in China, sondern auch in Hollywood gilt sie als Superstar. Doch seit Juli fehlt jedes Lebenszeichen von ihr. Bestrafen Chinas Behörden sie wegen eines Yin-yang-Betrugs?

© ALBERTO PIZZOLIFan Bingbing sollte eigentlich mit den Dreharbeiten zum Hollywood-Thriller "355" unter anderem mit den Co-Stars Marion Cotillard und Penelope Cruz beginnen. Doch die Chinesin ist nicht auffindbar.



Peking – In China ist Fan Bingbing gleichzeitig überall und nirgendwo: Ihr Gesicht wirbt in unzähligen Anzeigen und auf Plakaten im ganzen Land für die teuersten Luxusmarken. Doch seit Monaten gibt es von der mit Abstand bekanntesten und bestbezahlten Schauspielerin Chinas kein Lebenszeichen. In westlichen Medien überschlagen sich die Spekulationen, ob die Behörden einen unbotmäßigen Superstar verschwinden ließen, während in China das Gerücht gestreut wird, die auch in Hollywood erfolgreiche Fan könnte sich in die USA abgesetzt haben.

Steuerbetrug steht im Raum

Außerhalb Chinas ist Fan vor allem für ihre Rolle als Blink in „X-Men“ bekannt. In ihrer Heimat führt sie seit Jahren unangefochten die Liste der bestbezahlten Schauspieler an. Berichten zufolge zog sie nicht nur mit ihrem Millioneneinkommen und Luxuslebensstil die Kritik der kommunistischen Staatsmedien auf sich, die die Superstars des Landes immer wieder dazu drängen, „positive Energie“ und „sozialistische Werte“ zu vertreten. Im Juli tauchten in sozialen Medien angebliche Verträge Fans auf, die belegen sollten, dass die Schauspielerin in hohem Maße Steuern hinterzog.

Zwar löschte der TV-Moderator, der die Dokumente zunächst verbreitet hatte, seine Posts und nahm seine Anschuldigung zurück. Fans Management wies den Verdacht zurück. Doch seit diesem Zeitpunkt wurde die Schauspielerin nicht mehr gesehen. Seit dem 23. Juli gibt es auch keine Äußerungen in den Sozialen Netzwerken mehr von ihr.

„Null Punkte“ in sozialer Verantwortung

Währenddessen lösten Berichte in chinesischen Staatsmedien Spekulationen aus. Die Zeitung des Büros für Öffentliche Sicherheit soll zwischenzeitlich gemeldet haben, Fan sei „unter Kontrolle gebracht“ und werde „in Kürze ein gerichtliches Urteil“ erhalten. Der Artikel wurde aber offenbar schnell wieder gelöscht. In China kommt es immer wieder vor, dass Menschen wochen- oder monatelang spurlos verschwinden, bevor sie in Gefängnissen wieder auftauchen und angebliche Geständnisse etwa von Steuerbetrug präsentiert werden.

Eine Hongkonger Boulevardzeitung berichtete dagegen unter Berufung auf anonyme „Brancheninsider“, Fan sei in einem Einwanderungsbüro in Los Angeles gesehen worden. Angeblich habe US-Superstar Jackie Chan ihr geraten, in den USA Asyl zu beantragen – was Chans Management umgehend als „Unsinn“ zurückwies.

Hinweise auf einen Konflikt Fans mit den chinesischen Behörden sind unterdessen unübersehbar. Trotz des Dementis und der Rücknahme des Betrugsvorwurfs forderte die Steuerbehörde die Justiz ausdrücklich auf, der mutmaßlich in der Filmbranche weitverbreiteten Praxis sogenannter Yin-yang-Verträge auf den Grund zu gehen. Bei dieser Betrugsmasche schließen Schauspieler mit den Studios zwei Verträge ab: Einen niedriger dotierten für die Steuerbehörde und einen deutlich höher dotierten, der geheim bleibt.

Wie tief Fan im Ansehen des Staatsapparates gefallen ist, zeigte zuletzt eine Veröffentlichung der Pädagogischen Universität Peking. Sie bewertete die Superstars des Landes auf einer Skala von 0 bis 100, unter anderem nach ihrer „sozialen Verantwortung“. Den letzten Platz mit null Punkten belegte Fan. (TT.com)