Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 03.09.2019


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Gottschalks neues Buch: Der alte, weiße Mann erzählt

Thomas Gottschalk über sich als alten, weißen Mann, seine Arroganz und die neue Liebe: In seinem neuen Buch „Herbstbunt“ spricht der Deutsche ganz offen.

Seine erste Autobiografie „Herbstblond“ erschien 2015; jetzt legt Gottschalk mit „Herbstbunt“ nach.

© www.imago-images.deSeine erste Autobiografie „Herbstblond“ erschien 2015; jetzt legt Gottschalk mit „Herbstbunt“ nach.



München – Im April 2018 verabschiedete Thomas Gottschalk sich von Twitter mit den Worten: „Ich schreib ein Buch.....“ Jetzt ist er fertig damit. „Herbstbunt“, sein neues Buch, ist schon die zweite Autobiografie des früheren „Wetten, dass..?“-Gastgebers nach dem beinahe gleich lautenden „Herbstblond“, das im Jahr 2015 auf den Markt kam. Dort erzählte er noch von seiner Kindheit und Jugend, vom Aufstieg zum Medienstar und den Begegnungen mit den Großen dieser Welt.

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Sein neues Buch ist dagegen ein wahres Sammelsurium: Ein bisschen Rentner-Ratgeber, ein bisschen Medienwissenschaft („Das klassische Fernsehen hat keine Zukunft, jedenfalls keine strahlende“), ein bisschen Rückblick auf alte Witze, die er hier und da erzählte, und viel Einblick in die Seele des alten, weißen Mannes, als den er sich selbst im Buch immer wieder bezeichnet: Der „ältere heterosexuelle weiße Mann, eine Spezies, der ich mich zurechne“, sei „mittlerweile das einzige lebende Wesen (...), das keinerlei Artenschutz für sich reklamieren kann“. Die große Sorge alter, weißer Männer auf der ganzen Welt.

„Wer nur alt wird, aber nicht klüger, ist schön blöd“, lautet allerdings der Untertitel des Buches. Gottschalk wird im kommenden Jahr 70 und gehört damit erklärtermaßen zu den Senioren. Er inszeniert sich als konservativen, aber lernfähigen Alten, der im fortgeschrittenen Lebensalter doch tatsächlich einräumen muss, sich bei der ein oder anderen Sache vielleicht vertan zu haben.

Gesund zu leben halte er zum Beispiel inzwischen gar nicht mehr für eine so weit hergeholte Idee. Und als sein Sohn ihm eröffnete, er wolle wiederum nach der Geburt seines Sohnes Elternzeit nehmen, habe Gottschalk ihn doch tatsächlich nicht ausgelacht.

Und Gottschalk verwundert noch mit anderen Sagern zu seiner Einstellung. Ein Beispiel, bei dem die Läuterung nicht ganz geklappt hat, liefert er im Buch: „Ich bin einen langen Weg gegangen, bis es mir gelang, schwules Verhalten als normal zu betrachten“, gibt der Katholik aus Kulmbach in Oberfranken zu. Zwar finde er es inzwischen „total in Ordnung“, wenn zwei Männer sich an den Händen halten. Aber: „Wenn sie sich küssen, will ich denken ,Warum nicht?‘ und komme nur zu ,Warum?‘. Von spießigen Reflexen bin ich immer noch nicht ganz frei und werde es wohl auch nie sein.“

Die #MeToo-Debatte finde er wichtig, schreibt Gottschalk – und betont gleichermaßen immer wieder, wie schwer es für einen Dampfplauderer wie ihn doch sei, zu erkennen, wo die Grenzen des guten Geschmacks heute verlaufen. Es sind nicht immer die sympathischsten Einstellungen, die er in seinem Buch thematisiert. Eben die Sorgen des alten, weißen Mannes.

Er sei sich seiner Sache stets sehr sicher gewesen, schreibt Gottschalk auch. „So sicher, dass ich mir im Rückblick fast eine gewisse Arroganz eingestehen muss. Das wurde mir aber erst klar, als mir im letzten Drittel meiner Reise nach meinem beruflichen auch mein privates Leben um die Ohren flog.“

Was an diesem Buch besonders auffällt: Gottschalk wird sehr persönlich. Er erzählt von dem Schicksalsschlag, als seine Villa in Malibu abbrannte, über die Trennung von seiner Ehefrau Thea nach fast 50 gemeinsamen Jahren – und seine neue Liebe. Gottschalk schreibt: „Im Klartext: Mir ist etwas passiert, das mich ziemlich aus der Bahn geworfen hat und was ich mit meinem Traum von einem bunten Herbst selbst heraufbeschworen habe. Ich habe mich noch einmal verliebt.“

Seit einigen Monaten ist Gottschalk inzwischen mit seiner neuen Lebensgefährtin Karina Mroß zusammen, die er auf einer Geburtstagsparty kennenlernte – und zwar nicht ganz zufällig, wie er in seinem Buch schreibt. „Der einzige Anklagepunkt, zu dem ich mich schuldig bekenne, ist das Geständnis, die Tischkärtchen auf dem Esstisch ausgetauscht zu haben.“

Ziemlich am Ende des Buches schreibt er: „Meine erklärte Absicht war es eigentlich, als abgeklärte Fernsehlegende in Malibu die Füße hochzulegen, während sich die Nation nur schwer mit dem Gedanken abfinden kann, ihre Samstagabende ohne mich zu verbringen.“ Doch: „Malibu ist abgebrannt, die Nation plant das Wochenende ohne mich, und statt in meiner kalifornischen Windmühle in die Abendsonne zu blinzeln, die glutrot im Pazifik versinkt, habe ich mir mit neuer Partnerin in Baden-Baden eine renovierte Dachwohnung gemietet.“

Nachdenklich zeigte sich Gottschalk zuletzt auch in einem Interview mit dem Spiegel. Dort sprach er darüber, dass die Trennung von seiner Ehefrau eine Entscheidung gegen seine Vernunft und entgegen den Erwartungen an ihn war. „Ich bin meiner inneren Stimme gefolgt“, bekräftigt Gottschalk. (dpa, TT)