Letztes Update am Do, 19.04.2012 21:17

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Wiens Dr.-Karl-Lueger-Ring heißt künftig Universitätsring

Der Name des Straßenabschnitts war wegen der antisemitischen Haltung des früheren Wiener Bürgermeisters schon lange umstritten. Für die Änderung gibt es Beifall, aber auch Kritik.



Wien - Nach jahrelangen Debatten ist die Umbenennung des Wiener Dr.-Karl-Lueger-Rings seit Donnerstag fix. Der Straßenabschnitt zwischen Burgtheater und Schottengasse wird künftig Universitätsring heißen, entsprechende Beschlüsse sollen noch vor dem Sommer fallen. Damit kommt die rot-grüne Stadtregierung einer wiederholten Forderung der Universität Wien nach, die am Lueger-Ring liegt. Lob und Freude kamen folglich von Rektorat und Studentenschaft. Die Rathaus-Opposition - allen voran die FPÖ - kritisierte die Namensänderung hingegen scharf.

Umstritten war die Bezeichnung für den rund 620 Meter langen Ring-Abschnitt wegen seines Namenspatrons schon länger. Schließlich gilt der frühere Wiener Bürgermeister Karl Lueger (1844-1910) nicht nur als Erneuerer kommunaler Dienstleistungen wie der Wasser- und Energieversorgung, sondern vor allem auch als Populist, der Antisemitismus zum Teil seiner politischen Strategie machte.

„Zeichen für ein differenziertes Lueger-Bild“

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) argumentierte, mit der Umbenennung ein „Zeichen für ein differenziertes Lueger-Bild“ setzen zu wollen. Gleichzeitig betonte der Ressortchef, dass sich an der grundsätzlichen Haltung der Stadt, keine Namensänderungen durchzuführen, nichts geändert habe. Schließlich spiegelten auch Namen die Geschichte Wiens wider - und „man soll nicht so tun, als ob es keine dunklen Seiten gegeben hätte“. Im Fall Luegers sei aber eine Ausnahme möglich, da zahlreiche andere Gedenkstätten an ihn erinnerten.

Die formale Absegnung der Umtaufung soll noch vor dem Sommer in den entsprechenden politischen Gremien erfolgen. Anfang Herbst könnten die neuen Straßenschilder dann bereits angebracht sein. Unter Rücksichtnahme auf die ansässigen Büros und Institutionen hat die Stadt mit der Post ausverhandelt, dass die alten und neuen Adressen - betroffen sind acht Hausnummern - ein Jahr ab Wirksamkeit der Umbenennung parallel gültig sind.

Beifall und Kritik für Namensänderung

Mailath-Pokornys Ankündigung der Namensänderung im APA-Gespräch zog zahlreiche Reaktionen nach sich. Beifall kam nicht nur vom grünen Koalitionspartner, sondern auch von der Österreichischen Hochschülerschaft und der Uni-Führung. Rektor Heinz Engl freute sich über die neue Adresse „im Hinblick auf das 650-Jahr-Jubiläum 2015“. Die jetzige Anschrift sei im Ausland angesichts Luegers antisemitischer Haltung nicht mehr zu rechtfertigen gewesen, so der Tenor von ÖH und Grünen. Die Israelitische Kultusgemeinde nahm die Maßnahme ebenfalls positiv auf.

Teils scharfe Kritik hagelte es indessen von der Rathaus-Opposition. Die FPÖ zeigte sich erbost über „linken Gesinnungsterror“ und die von Rot-Grün betriebene „politische Umerziehung“. „Einem ausländischen Massenmörder wie Che Guevara bauen die Sozialisten in Wien ein Denkmal, aber ein herausragender Wiener Bürgermeister wird aus einem Straßennamen gedrängt“, echauffierte sich Parteichef Heinz-Christian Strache.

Die ÖVP plädierte zwar für ein „differenziertes“ Lueger-Bild, sprach jedoch von „unglaublicher Arroganz“ angesichts dessen, dass man in die Gespräche nicht eingebunden worden sei. Die Stadt-Schwarzen zweifelten zudem - ebenfalls mit Hinweis auf das Che-Denkmal im Donaupark - an der Stadt als „moralische Instanz“.




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