Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 05.11.2015


Ausserfern

Mysteriöser Pilz trägt Schuld am Eschensterben

Die Sporen werden vom Wind verbreitet und befallen die jungen Triebe der Eschen. Direkt bekämpfen lässt sich der Pilz nicht.

© Waldschutz Schweiz/WSLDurch den Pilzbefall werden höher gelegene Pflanzenteile nicht mehr mit Wasser versorgt und sterben ab.



Von Simone Tschol

Außerfern – Dürre Baumkronen, absterbende Triebe, tote Bäume. Die Eschen haben ein Problem – mittlerweile in 22 Ländern Nord-, Ost- und Mitteleuropas. Zu Beginn meinte man, dass das Absterben einzelner Triebe auf Frost, Trockenheit und abrupte Temperaturwechsel zurückzuführen sei. In Österreich erstmals als eigene Krankheit wahrgenommen wurde das so genannte Eschentriebsterben im Jahr 2008. „Wir beobachten das Eschentriebsterben auch bei uns im Bezirk seit fünf bis sechs Jahren“, bestätigt der Leiter der Bezirksforstinspektion Reutte, Josef Walch, auf Nachfrage der Tiroler Tageszeitung.

Verursacht wird das Eschentriebsterben durch einen Pilz, dessen Name harmloser klingt, als er ist: „Falsches Weißes Stengelbecherchen“. Seine Sporen werden vom Wind verbreitet und befallen die jungen Triebe der Eschen. Die Wasserversorgung wird gestört, sie werden welk und sterben ab. „Die Erkrankung ist derzeit mit nichts aufzuhalten. Direkte Bekämpfungsmaßnahmen gibt es keine“, sagt Walch.

Einen kleinen Funken Hoffnung gibt es allerdings. Wie Walch erklärt, werden immer wieder resistente Eschen entdeckt, also Bäume, die – obwohl in einer Gruppe kranker Bäume wachsend – nicht vom Pilz befallen sind. „Wir sind angehalten, eventuell resistente Bäume zu melden. Es läuft momentan nämlich ein Projekt am Bundesforschungszentrum Wald, welches sich damit beschäftigt, solch resistente Pflanzen zu finden, zu untersuchen, zu züchten und wieder anzupflanzen. Die Eschen sind bei uns meist an Waldrändern zu finden. Der Bestand im Außer­fern ist zwar nicht sonderlich hoch, aber es wäre trotzdem sehr schade, wenn sie aus den Wäldern verschwinden würden“, sagt Walch.

Eine ähnlich negative Entwicklung sei auch bei den Ulmen zu beobachten. „Aber das Ulmensterben zieht sich bei uns schon sehr lange hin – sicher schon zehn bis 15 Jahre. Auch hier werden die wasserleitenden Gefäße verstopft, was zum Tod befallener Ulmen führt“, beschreibt Walch den Krankheitsverlauf der so genannten Ulmen­welke. Auch sie wird durch einen Pilz verursacht, jedoch durch Käfer übertragen.

Was den allgemeinen Zustand der Wälder im Bezirk Reutte betrifft, stellt Walch fest, dass das Hauptproblem in den vielen Sturmschäden des heurigen Sommers zu suchen sei: „Leider sind davon auch sehr viele Schutzwälder betroffen.“

Probleme mit Borkenkäfern gebe es laut Walch keine – „noch nicht. Aber natürlich ist durch die vielen Windwürf­e eine Menge bruttaugliches Material wie Wurzelstöcke und Restholz in den Wäldern geblieben und die Gefahr im nächsten Jahr höher.“ Daraus resultierend werde der Borkenkäfer genauestens beobachtet. Walch: „Wir werden sicher Käferfallen aufstellen. Anhand der Fangzahlen können wir dann beurteilen, ob die Zahl der Borkenkäfer in einem Gebiet gefährlich wird oder nicht.“