Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 09.05.2017


Stubaital

Wolf oder Hund? Warten auf eine Antwort aus Wien

Nach einem Angriff auf eine Schafherde im Stubaital mit drei toten Tieren steht ein Ergebnis der Auswertung der DNA-Proben noch aus.

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© Thomas Böhm / TT



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Drei tote und vier verletzte Schafe in Fulpmes im Stubaital haben vor gut zwei Wochen den Beutegreifer-Experten des Landes, Martin Janovsky, auf den Plan gerufen. Der Verdacht, ein Wolf könnte die Tiere gerissen haben, steht seitdem im Raum. Schließlich meldete sich auch noch eine Augenzeugin, die ein paar Tage zuvor im Oberbergtal bei Neustift im Stubaital einen Wolf auf einem Feld beobachtet haben will.

Die Antwort darauf, ob sich im Stubaital tatsächlich ein Wolf niedergelassen hat, liegt derzeit noch im Naturhistorischen Museum in Wien. Dort werden jene Proben untersucht, die von den gerissenen Tieren genommen wurden und DNA-Spuren des angreifenden Tieres enthalten sollen. „Hätten wir Tierhaare, dann wäre die Bestimmung relativ einfach und schnell“, erklärt Janovsky. Im aktuellen Fall müsse man sich aber in Geduld üben, da man so genannte Tupferproben an den Bissspuren genommen hat, die im Idealfall Speichelreste des gesuchten Tieres enthalten. Die Auswertung derartiger Proben brauche eben ihre Zeit, erklärt Janovsky, der nicht vor Ende nächster Woche mit einem Resultat rechnet. Er selbst sieht dem Ergebnis ohne große Emotion entgegen, wie er sagt. „Ich versuche das sehr sachlich zu sehen“, sagt Janovsky, der es persönlich für durchaus möglich hält, dass ein Wolf für den Angriff auf die Fulpmer Schafherde verantwortlich ist. „Es ist bekannt, dass Wölfe große Distanzen zurücklegen können und immer wieder einmal – ob nun bemerkt oder unbemerkt – auch durch Österreich wandern.“

Wie nah Wölfe dem Bundesland Tirol tatsächlich sind, zeigen Meldungen aus Südtirol. Anfang April waren gut 50 Kilometer Luftlinie südlich des Timmelsjochs in Malgasott fünf Schafe gerissen worden. Anhand der DNA-Proben konnte zweifelsfrei festgestellt werden, dass ein Wolf die Tiere angegriffen und getötet hat. Ende Februar tappten außerdem im Gadertal etwa 50 Kilometer südlich der Grenze zu Osttirol zwei Wölfe in eine Fotofalle. Die Abteilung Forstwirtschaft des Landes Südtirol weist auf ihrer Homepage darauf hin, dass ein Wolf in einer Nacht zwischen 20 und 50 Kilometer zurücklegen kann.