Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 08.07.2017


Bezirk Imst

Gletscherrückgang machte Hängebrücke notwendig

Die neue Seilhängebrücke über den Gurgler Ferner misst 142 Meter. Sie ist aber nicht nur Attraktion, sondern auch Notwendigkeit.

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© Ötztal Tourismus



Von Matthias Reichle

Obergurgl-Hochgurgl – Der Name Piccard ist eng mit dem Gurgler Gletscher verbunden – der Abenteurer Auguste Piccard landete am 27. Mai 1931 nach einem Höhenrekord auf dem Ferner. Seine Ballonfahrt, die er eher unsanft auf einem Schneefeld zwischen zwei Gletscherspalten beendete, sorgte dafür, dass auch das hintere Ötztal in die Schlagzeilen geriet. Sein nicht weniger bekannter Enkel Bertrand Piccard besuchte Obergurgl auf den Spuren des Großvaters zuletzt im Jänner.

Um an die Verbundenheit mit der Familie zu erinnern, benannte Ötztal Tourismus eine neue Hängebrücke über die Schlucht des Ferners nach der Abenteuerfamilie.

Die Piccard-Hängebrücke ist mit einer Länge von 142 Metern und einer Höhe von 100 Metern über dem Grund nicht nur eine Attraktion, sondern eine Notwendigkeit.

Der Gletscherrückgang machte die Querung immer gefährlicher. „Der Übergang zwischen dem Hochwildehaus und dem Ramolhaus hat in den letzten 15 Jahren durch den Rückgang des Gurgler Gletschers dramatisch abgebaut. Man hat alle Jahre die Brücken renovieren müssen und die eingebrochenen Gletscherteile umgehen. Die Ramolseite ist total steinschlaggefährdet“, betonte Initiator Franz Reich aus Obergurgl. Die bisher eingesetzte Holzbrücke wurde dazu mehrfach vom Hochwasser weggerissen. „Man hat überlegt, dass man einen anderen Übergang für die Schlucht finden muss. Als einzige permanente Lösung blieb uns nur der Bau einer Brücke übers Tal.“

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Die Arbeiten, die bereits im Sommer 2016 starteten, waren aufgrund der Höhe von 2.465 Metern nicht einfach. Die Kosten des Vorhabens, das vom Ortsausschuss Obergurgl-Hochgurgl mit Hilfe von Ötztal Tourismus, des Deutschen Alpenvereins und des Landes durchgeführt wurde, beliefen sich auf 411.000 Euro. Mitarbeiter des Ötztal Tourismus haben auch neue Zugangssteige von beiden Talseiten angelegt.

„Normale Wanderer hatten in der letzten Zeit keine Chance mehr, den Talkessel zu überqueren. Viele der Berggeher suchen heute Rundwege ohne Gletscherüberquerung. Fehlt ein funktionierender Anschluss an die Nachbarhütten, drohen uns Rückgänge“, betonte auch Georg Gufler, Hüttenwirt auf der Langtalereckhütte. Damit die Verbindung auch den Winter mit seinen Lawinenabgängen unbeschadet übersteht, wird ein Teil des Weges ab Oktober abgedeckt. Die Brücke ist somit von diesem Zeitpunkt an bis zum Beginn der Sommersaison nicht begehbar.