Letztes Update am Di, 10.10.2017 11:58

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tierreich

Rätsel um Riesenquallen werden im Tiergarten Schönbrunn gelöst

Ihr Schirm hat einen Durchmesser von fast 70 Zentimetern, ihre schwarzen Mundarme werden über zwei Meter lang: Die Riesenqualle Rhizostoma luteum ist ein Wunderwesen und gibt Forschern große Rätsel auf. Einigen davon geht Meeresforscherin Karen Kienberger derzeit im Tiergarten Schönbrunn auf den Grund.

Die Riesenqualle Rhizostoma luteum kann einen Durchmesser von fast 70 Zentimetern erreichen, ihre schwarzen Mundarme werden über zwei Meter lang.

© APADie Riesenqualle Rhizostoma luteum kann einen Durchmesser von fast 70 Zentimetern erreichen, ihre schwarzen Mundarme werden über zwei Meter lang.



Wien – „Über die Riesenqualle ist fast nichts bekannt. Viele Jahre zweifelte man sogar, ob es sie überhaupt gibt. Dabei kommen Riesenquallen sogar vor den Badestränden von Spanien und Marokko in unmittelbarer Nähe der Küste vor. Erst vor Kurzem wurden in Andalusien unzählige Riesenquallen angespült. Das war natürlich eine große Sensation“, erklärte die gebürtige Schweizerin, die ihr Doktorat am Institute of Marine Sciences of Andalusia (ICMAN-CSIC) in Südspanien macht.

Meeresforscherin Karen Kienberger erforscht im Tiergarten Schönbrunn die Riesenquallen.
Meeresforscherin Karen Kienberger erforscht im Tiergarten Schönbrunn die Riesenquallen.
- APA

Vor der Küste Spaniens schnorchelte Kienberger beinahe täglich, suchte Riesenquallen, vermass sie und dokumentierte alle Daten. Bei einem ihrer Tauchgänge hat sie vor zwei Jahren eine geschlechtsreife Riesenqualle aufgespürt und Larven an den Tiergarten übergeben, wo daraufhin die Welterstnachzucht geglückt ist. Nun ist sie in Wien, um fernab vom Meer an der Riesenqualle zu forschen. Kienberger: „Der Tiergarten Schönbrunn ist die einzige Institution, in der Riesenquallen gezüchtet werden. Deshalb kann ich nur hier diese spannenden Tiere erforschen. Außerdem gibt es in Schönbrunn mehr als 60 Quallenarten und da schlägt das Herz einer Quallenforscherin natürlich höher.“

Im Keller des Aquarienhauses wurde Kienberger ein kleines Labor eingerichtet. Dort untersucht sie, wie sich unterschiedliche Temperaturen und Salzgehalte auf die Entwicklung der Riesenquallen auswirken. Mit Taschenlampe, Lupe und Mikroskop beobachtet sie das Wachstum der anfangs weniger als einen Millimeter großen Polypen. Das Thema der Forschungsarbeit ist brandaktuell. Denn eine Frage beschäftigt die Experten weltweit: Werden sich Quallen massenhaft ausbreiten, wenn sich die Meere erwärmen? Bis Ende Oktober dauern die Forschungstätigkeiten, die vom Tiergarten Schönbrunn und von Schweizer Rotary Clubs finanziert werden, noch an. Dann werden die Ergebnisse wissenschaftlich publiziert. (APA)