Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 06.12.2017


Bezirk Reutte

Wolf tappte im Tannheimer Tal in Fotofalle

Die Fachleute gehen mit großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass es sich um einen Wolf handelt und nicht um einen wolfsähnlichen Hund. Meldungen.

© Ein Schwarzlichtblitz friert die Bewegung ein – im Infrarotlicht ist der Wolf im Schnee gut erkennbar.Foto: Fotofalle



Von Helmut Mittermayr

Tannheimer Tal – Bitte lächeln! – eine Fotofalle in freier Natur hielt im Tannheimer Tal vor wenigen Tagen ein mythenumranktes Tier fest. Ein Wolf wurde nächtens fotografiert, wie er durch den Wald schlich. Der örtliche Berufsjäger zwischen abgeklärt und entzückt: „Jetzt ist er da – in Gottes Namen. Wir werden damit leben können. Ich habe den Wolf schon vor drei, vier Jahren an der genau gleichen Stelle persönlich angetroffen. Aber damals haben alle nur gelacht und es nicht geglaubt“, sagt der Weidmann. Er hatte die Kamera mit Schwarzlichtblitz installiert, um Wildbewegungen dokumentieren zu können.

Nun ist es Fakt, auch für die Experten vom Tiroler Jägerverband, die das Foto ausgewertet haben. Die Fachleute gehen mit großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass es sich um einen Wolf handelt und nicht um einen wolfsähnlichen Hund. Meldungen über Risse oder Sichtungen liegen bislang aber nicht vor. „Ob der Wolf irgendwo ein Kitz gerissen hat, werden wir vielleicht nicht erfahren. Bekannt ist nichts. Er ist sicher auf Durchreise“, sagt der Jäger. Im Hochtal konnte zuletzt im Jahr 2014 ein Wolf nachgewiesen werden.

Landesjägermeister Anton Larcher grundsätzlich: „Große Beutegreifer stellen uns vor große Herausforderungen. Dies liegt aber nicht am Problem Jäger versus Bär, Luchs oder Wolf, sondern daran, dass sich seit der letzten großräumigen Präsenz dieser Wildtiere unsere Landschaft massiv verändert hat und man vor allem auch dieses Faktum in der Diskussion berücksichtigen muss. Die Entscheidung, inwiefern der Mensch noch bereit bzw. imstande ist, Bär, Luchs und Wolf in der intensiven Kulturlandschaft zu akzeptieren, muss genauso im gesamtgesellschaftlichen Diskurs erörtert werden wie die Frage, ob es nicht endlich an der Zeit ist, dem massiv voranschreitenden Entzug von Lebensräumen aller Wildtiere – vom Mauswiesel bis zum Bär – Einhalt zu gebieten.“




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