Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 07.12.2017


Natur

Hofübergabe im Alpenzoo in aller Freundschaft

Der deutsche Biologe André Stadler übernimmt mit Jahreswechsel die Leitung des Innsbrucker Zoos. Er soll den Kurs der Vorgänger fortsetzen.

© Thomas Boehm / TTZwei Generationen von Tierfreunden vor dem Aquarium. André Stadler (l.) löst Langzeitchef Michael Martys ab und wird der vierte Leiter des Innsbrucker Alpenzoos. Foto: Böhm



Innsbruck – Die Süßwasserfische im Aquarium des Innsbrucker Alpenzoos ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Rotfeder, Barbe und Co. drehten gemächlich ihre Runden. Vor dem großformatigen Wasserbehälter strotzte dagegen ein Mann mittleren Alters geradezu vor Tatendrang: André Stadler, der neue Direktor des Alpenzoos, wurde gestern der Presse vorgestellt. Der 39-jährige Biologe war bisher Kurator des Zoos in seiner Heimatstadt Wuppertal (D).

Mit einer kräftigen Umarmung schickte der scheidende Chef seinen Nachfolger an den Start. Michael Martys (65) brachte es auf 26 Dienstjahre als Alpenzoodirektor, so lange wie niemand vor ihm. Mit Jahreswechsel geht er in Pension, er wird dem Neuen aber in der Übergangsphase zur Seite stehen. Stadler wird den Zoo zunächst „genau analysieren und mit allen Mitarbeitern sprechen“. Dann will er entscheiden, welche Projekte umsetzbar seien. Den Zoo sieht er noch nicht am Ende seiner Ausbaumöglichkeiten angekommen.

Von der Lebensqualität am neuen Dienstort Innsbruck zeigte sich Stadler überwältigt: „Mit drei Schritten ist man im Grünen.“ Bergsportler ist der aus dem Flachland stammende Deutsche keiner: „Skifahren kann ich nicht, aber vielleicht ist es auch besser, sich nicht gleich zu Beginn ein Bein zu brechen.“

Dankesworte wurden von der politischen Prominenz beigesteuert. Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer würdigte das Wirken Martys’ ebenso wie die Einzigartigkeit des Alpenzoos als Hort ausschließlich von Tieren, die in den Alpen vorkommen. Und das soll auch so bleiben. „Wenn ihr einen Affen sehen wollt, dann müsst ihr nach München fahren“, zitierte Oppitz-Plörer ihre Vorgängerin Hilde Zach.

Für den Neuankömmling aus deutschen Landen hatte die Bürgermeisterin einen freundschaftlichen Hinweis parat – zum Stichwort angewandter Tiroler Charme: „Haben wir jemanden einmal ins Herz geschlossen, dann sind wir ganz freundliche Leut’.“

Alpenzoo-Präsident Herwig van Staa schritt sodann zur Vertragsunterzeichnung mit André Stadler. Er wurde auf fünf Jahre bestellt und ist erst der vierte Direktor des Alpenzoos seit dessen Gründung 1962. Hans Psenner, Helmut Pechlaner und Michael Martys waren die ersten drei.

Nach den Worten van Staas erhält Stadler „ein Gehalt wie ein Abteilungsleiter beim Land im vergleichbaren Alter“. Auf Nachfrage wurde dieses im Bereich eines fünfstelligen Bruttojahresgehalts angesiedelt. Stadler zeigte sich amüsiert über die Zahlenspiele und bezeichnete seine Entlohnung als „gar nicht so schlecht“. (mark)