Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.01.2018


Bezirk Imst

Appetit des Milser Bibers macht nicht jedem Freude

In der Milser Au kommen sich die Holzwirtschaft und der Biber in die Quere. Der hat Gusto auf die aufgeforsteten Bäumchen.

Waldaufseher Matthias Schnegg und Substanzverwalter Bernhard Schöpf (v. l.) mit einem vom Biber abgenagten Stämmchen.

© ReichleWaldaufseher Matthias Schnegg und Substanzverwalter Bernhard Schöpf (v. l.) mit einem vom Biber abgenagten Stämmchen.



Von Matthias Reichle

Mils – „Da unten ist das Corpus Delicti.“ Bernhard Schöpf, Milser Gemeinderat und Substanzverwalter der Gemeindegutsagrargemeinschaft, steigt über eine Böschung hinunter. Rechts und links des Weges sieht man immer wieder kleine Stämmchen, die knapp über dem Boden abgenagt wurden. Vor einigen Jahren hat sich in der Milser Au wieder ein Biber angesiedelt – und was der sich schmecken lässt, schmeckt Schöpf ganz und gar nicht.

Weiden und Pappeln gehören zur Leibspeise des Nagers. „Jetzt geht er schon hinter die Erlen“, erklärt Schöpf.

Er hat 120 abgenagte Bäumchen gezählt – und diese Entwicklung auch bei der vergangenen Gemeinderatssitzung thematisiert. „Der Biber ist okay. Das Problem ist, dass er sich in einem Aufforstungsgebiet befindet“, erklärt Waldaufseher Matthias Schnegg, der sich dazugesellt hat. Die meisten Bäumchen sind rund zehn Jahre alt und wurden damals im Rahmen der Revitalisierung der Au gepflanzt.

Der Bereich um einen kleinen Weiher hat den Gusto des Tieres besonders geweckt. „Er hat die Weiden rund um den Teich abgefressen“, so Schöpf. Ihr Bestand hat sich erheblich gelichtet. „Wenn das so weitergeht, müssen wir bald wieder aufforsten.“

In der Milser Au trifft man überall auf die Spuren des Nagers.
In der Milser Au trifft man überall auf die Spuren des Nagers.
- Reichle

Für Schöpf ist klar: „Der Biber ist nicht mein Feind.“ Aber er fordert eine Lösung. „Ich denke gar nicht ans Abschießen, man könnte ihn absiedeln, dorthin, wo der Wald das zulässt.“

In der Milser Au treffen mehrere Interessen aufeinander. Einerseits wollen die Agrargemeinschaft und die Gemeinde die Gegend für die Holzwirtschaft nutzen. Andererseits ist sie seit 1987 ein geschützter Landschaftsteil. Es hat sich dort nicht nur der Biber, sondern inzwischen auch der Fischotter und der Eisvogel wieder niedergelassen.

Für die Biberbeauftragte des Landes, Monika Eder, gehört das Bäumefällen zur Lebensweise des Bibers dazu. In der Milser Au gibt es einen größeren Biberbau. Darin vermutet man eine Familie mit vier bis sechs Tieren.

„Im Winter fallen sie auf, weil dann Baumrinde ihre Hauptnahrung ist.“ Das legt sich, wenn das Wetter wieder wärmer wird, dann fressen sie vor allem Grünzeug und fällen normalerweise keine Bäume. „In ein, zwei Monaten ist der Wirbel vorbei.“

Die Biologin konnte den Schaden noch nicht begutachten. Es komme auch auf die Stärke des Baumes an, bei jungen Bäumchen seien 100 Stück nicht viel. Wenn es sehr kalt ist oder viel Schnee liegt, bleibt der Biber im Bau und ernährt sich von den Vorräten, die er dort im Wasser einlegt. Sie werde sich die Situation demnächst anschauen. „Pappeln treiben wieder aus“, betont sie. Auch ein Baumschutzprojekt könne man sich überlegen.

- Reichle