Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 31.01.2018


Natur

Grünes Licht für Verbauung am Pianner Lattenbach

Der Wildbach bekommt eine neue Mündung. Dazu wird ein Wohnhaus abgerissen. Das Gesamtprojekt kostet 6,8 Mio. Euro.

© zoom-tirolDas Gebäude links von der Lattenbach-Mündung wird abgerissen, um Platz zu schaffen. Die kleine Brücke wurde bereits im letzten Jahr nach den Unwettern (Bild) abgetragen.Foto: zoom.tirol



Von Matthias Reichle

Pians – Vergangenes Jahr bereitete er Piannern wieder schlaflose Nächte. „Es ist richtig weiß am Berg geworden. Eine halbe Stunde später kam die Mure“, schilderte damals ein Augenzeuge die schaurige Szenerie. Das sonst harmlose Rinnsal des Lattenbachs verwandelte sich in einen dickflüssigen, graubraunen Brei.

Im Sommer 2017 war das zweimal der Fall, erinnert der Pianner Bürgermeister Harald Bonelli – am 30. Juni schwemmte es 40.000 Kubikmeter Schotter und Lehm ins Tal. Ein erschreckendes Video, das in sozialen Medien die Runde machte, zeigt, wie eine große Murwelle die Brücke am Gerberweg überspült. Noch gewaltiger war das Ereignis 2016, als in Landeck Zivilschutzalarm ausgelöst worden ist. Der Lattenbach ist seit Jahrzehnten Dauerbrenner.

Ab heuer wird er nun weiter verbaut. Die Bezirkshauptmannschaft Landeck gibt den geplanten Maßnahmen grünes Licht, wie Eva Loidhold, Leiterin der Abteilung „Energie & Wasser“, bestätigt. Die Umsetzung sei „sinnvoll“ – es gibt ein positives Ergebnis, demnächst soll auch der Bescheid ergehen.

Nicht alltäglich ist das Projekt an sich. Um die Mündung des Lattenbachs in die Sanna zu verbessern, wird nämlich ein Wohnhaus auf der linken Seite abgerissen. Damit kann das Bachbett verlegt werden. „Je spitzer der Winkel, umso besser. Das Geschiebe wird dadurch weiter in die Sanna hineintransportiert“, erklärt Hubert Agerer von der Wildbach das Projekt. Das Gebäude wurde dazu von der Gemeinde Pians abgelöst.

Insgesamt sollen in den nächsten acht Jahren 6,8 Mio. Euro am Bach verbaut werden. Im Zuge des Projekts wird auch die Sohle des Gerinnes durch Pians ausgebessert und stabilisiert, die Seitenleit­wände werden zum Teil erhöht und die Brücke unter der Bundesstraße erneuert. Diese war sehr beengt und für größere Geräte schwer passierbar. Sie soll breiter und besser befahrbar werden, gleichzeitig wird sie verstärkt.

Auch die bestehenden Sperren im Mittellauf des Lattenbachs – im Bereich der Brücke von Grins nach Gmar – bezieht die Wildbach ein. Sie werden saniert, so Agerer.

Noch fehlt dem Projektleiter der Bescheid. Ist dieser erst rechtskräftig, könne man Anfang März starten, betont er. Zufrieden mit den Planungen der Wildbach ist auch Bonelli. „Sie haben gut gearbeitet.“ Seit 20 Jahren rede man vom Lattenbach. „Das ist eine gute Lösung für die Anrainer und Pians.“ Denn dass wieder eine Mure kommen wird, ist für ihn Gewissheit und nur eine Frage der Zeit.

Für die Kommunen bedeuten die Maßnahmen in den kommenden Jahren 168.000 Euro jährlich. Eine Belastungsprobe. „Wir haben einige geplante Projekte vorerst zurückgestellt“, erklärt der Dorfchef. Man habe trotzdem ein solides und ausgeglichenes Budget auf die Beine stellen können.

Noch keine Lösung gibt es für die Bewohner des Gerberwegs, deren Brücke im vergangenen Jahr überspült und in Folge abgerissen wurde. Derzeit gibt es eine Behelfs­brücke. „Wir arbeiten daran“, verspricht Bonelli.