Letztes Update am Di, 30.01.2018 13:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Philippinen

Vulkan spuckt Asche und Lava: 80.000 flüchten, Tourismus jubelt

Aus Sorge vor einem baldigen Ausbruch haben mehr als 80.000 Menschen Unterschlupf in Notquartieren gesucht. Der Tourismus hingegen jubelt über das gefährliche Naturspektakel und bietet Gästen eigene „Vulkan-Highlights“.

© AFPDer Mayon – etwa 330 Kilometer südlich der Hauptstadt Manila – ist der aktivste Vulkan der Philippinen.



Manila – Auf den Philippinen hat der mehr als 2400 Meter hohe Vulkan Mayon aufs Neue große Mengen Asche und Lava ausgestoßen. Das Vulkan- und Erdbebeninstitut des südostasiatischen Inselstaats berichtete am Dienstag von weiteren Eruptionen. Aus Sorge vor einem baldigen Ausbruch haben mehr als 80.000 Menschen Unterschlupf in Notquartieren gesucht.

Die Regierung stellte 20 Millionen Pesos (mehr als 350.000 Euro) für Nothilfe zur Verfügung. Das Geld soll auch dazu verwendet werden, den Ausbruch von Krankheiten zu verhindern.

Tourismus jubelt über gefährliches Naturschauspiel

Was für Zehntausende Anrainer eine Gefahr für Leib und Leben darstellt, bedeutet für andere eine willkommene Einnahmequelle. Denn zahlreiche Touristen strömen derzeit in die Provinz Albay, um Zeugen des Naturschauspiels zu werden und Fotos zu machen.

Findige Geschäftsleute haben erkannt, wie sie den Mayon als Einnahmequelle nutzen können. So ist der Verkaufsschlager eines örtlichen Restaurants die Süßspeise „Mayon Hot Lava“ – eine Eiscreme in der Form des Vulkans mit einer Spitze aus Chili-Gewürz und scharfem Sirup. Hotels in der Umgebung bieten Zimmer mit „Vulkan-Blick“ an – oder einen TV-Livestream der vulkanischen Aktivitäten.

Verkaufssschlager bei Touristen: „Mayon Hot Lava“ – eine Eiscreme in der Form des Vulkans mit einer Spitze aus Chili-Gewürz und scharfem Sirup.
- AFP

Nach Angaben des örtlichen Touristenbüros sind in diesem Monat bereits zehn Prozent mehr Gäste nach Albay gekommen als im Vorjahreszeitraum. Reisebüros und Gästeführer verdienen gut in einer für gewöhnlich touristenarmen Jahreszeit. Sie führen die Schaulustigen zu guten Aussichtspunkten wie einem alten Kirchen-Glockenturm in der Stadt Cagsawa. Die Menschen schießen Fotos, auf denen es so aussieht, als lehnten sie sich an den Vulkan an.

Schiebt sich eine dunkle Regenwolke vor den Himmel, erzählen die Gästeführer den Besuchern „die Legende, in der die Wolke ein Verehrer des Bergs Mayon ist, den wir schöne Dame nennen“, wie Hohanna Loterina sagt. „Wenn die Wolke sie bedeckt, möchte er nicht, dass andere ihn sehen. Das ist ein Ausdruck von Liebe.“

Manch ein Anrainer wünscht sich aber, dass bald wieder Ruhe ist am Mayon. Der Chili-Bauer Marcal Morato steht barfuß auf dem von Asche geschwärzten Boden, aus dem welke Stiele ragen. „Es ist so schade, ich kann das alles nicht mehr gebrauchen“, sagt der 72-Jährige. „Ich muss neue Samen kaufen.“

Mehrere Vulkane auf Pazifischem Feuerring aktiv

Der Mayon – etwa 330 Kilometer südlich der Hauptstadt Manila – ist der aktivste Vulkan der Philippinen. Seit Mitte Jänner gibt es immer wieder Eruptionen. Die Behörden haben die Alarmstufe 4 ausgerufen. Das bedeutet, dass es binnen Tagen eine gefährliche Eruption geben kann. Zudem wurde ein Gebiet im Umkreis von neun Kilometern um den Krater zur Sperrzone erklärt. In den vergangenen 500 Jahren brach der 2462 Meter hohe Vulkan bereits etwa 50 Mal aus.

Die Philippinen liegen auf dem Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Aktuell brodeln dort auch mehrere andere Vulkane vor sich hin: Rund um den Agung auf der indonesischen Urlauberinsel Bali gilt bereits seit Ende November die höchste Alarmstufe. Aus Sorge vor einem gewaltigen Ausbruch konnten mehr als 45.000 Menschen immer noch nicht in ihre Unterkünfte zurückkehren.

Zudem werden Eruptionen auch von einem anderen indonesischen Vulkan gemeldet, dem Sinabung auf der Insel Sumatra. Auf Papua-Neuguinea ist gerade der Kadovar aktiv. Rund um den Pazifik gab es in den vergangenen Tagen auch mehrere Erdbeben. Nach Angaben von Experten ist dies alles aber nicht außergewöhnlich. (TT.com, APA/dpa/AFP)

Mit Gesichtsmasken versuchen sich die Bewohner vor der Asche in der Luft zu schützen.
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