Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 04.02.2018


Tirol

Nach Felsstürzen in Tirol: Situation bleibt kritisch

Tirol hat die Zahl der Landesgeologen aufgestockt. Mehrere Felsstürze sorgen zurzeit für extremen Hochbetrieb. Entspannung ist derzeit keine in Sicht.

© BBA Imst/SchatzFels donnerte zuletzt nicht nur in Fließ auf die Straße.Foto: BBA/Imst



Von Liane Pircher

Innsbruck – Nahezu im Tages- bzw. Wochentakt gab es in Tirol zuletzt Meldungen von Felsstürzen und Steinschlägen. Nicht nur zwischen Fließ und Landeck, bei Ladis und Schönberg oder in Vals. Wenn viele Tiroler subjektiv das Gefühl haben, es rutscht und bröckelt momentan mehr von den Bergen als sonst, dann liegen sie nicht ganz falsch: „Fakt ist, dass wir seit dem Sommer 2017 weit mehr Einsätze wegen Hangrutschungen oder Hangexplosionen haben“, sagt Gunther Heißel, Chef der Landesgeologie.

Mit den vielen Niederschlagsmengen im Herbst und dem intensiven Winter wurde ein Grundstein „für weitere Probleme im Frühling“ gelegt. Ob es tatsächlich dazu kommen werde, hänge stark von der Wetterlage und dem Ablauf der Schneeschmelze ab. „Wenn es viel hohe Luftfeuchtigkeit und Niederschlag gibt, erwarte ich eine unruhige Zeit. Bei viel trockener Luft verläuft die Schmelze anders, es verdunstet mehr Wasser, das gefährlich werden könnte“, erklärt Heißel. Ein Problem sei, dass bei Hängen in mittlerer Lage die Böden vielfach nicht gefroren sind: „Im Falle von viel Regen kann da Wasser bestens eindringen und für Probleme sorgen.“ Die Landesgeologen seien jedenfalls in Bereitschaft und deutlich mehr unterwegs, um mögliche Gefahrenzonen frühzeitig zu erkennen – nicht zuletzt deshalb verstärkt nun ein weiterer Landesgeologe das Team.

Einen stärkeren Fokus auf das Kartieren der „braunen Hinweisbereiche“ für Steinschlag in den Gefahrenzonenplänen legt auch seit Kurzem die Wildbach- und Lawinenverbauung. Zudem gebe es aufgrund der aktuellen Ereignisse zahlreiche Sofortmaßnahmen, die umgesetzt werden, erklärt Gebhart Walter, Leiter der Tiroler Wildbach- und Lawinenverbauung. Ein Pilotprojekt (in Flirsch) für Prävention gegen Steinschlag sei im Laufen. Walter: „Die Investitionen in die Steinschlag-Verbauung sind in den letzten Jahren sukzessive gestiegen. Dieser Trend wird anhalten.“