Letztes Update am Do, 05.04.2018 09:41

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tiere

Mehr als drei Dutzend Wale in Neuseeland gestrandet

Am Donnerstag waren im Sand und im seichten Wasser viele Kadaver zu sehen.

Erst im Vorjahr waren 300 Wale in Neuseeland gestrandet.

© AFPErst im Vorjahr waren 300 Wale in Neuseeland gestrandet.



Wellington – Auf der Südinsel Neuseelands sind mehr als drei Dutzend Grindwale gestrandet und zumeist qualvoll verendet. Die 38 Tiere waren an einem einsamen Strand in der Nähe der Gemeinde Haast an der Westküste des Pazifikstaats an Land geraten. Die meisten starben innerhalb weniger Stunden, die letzten zwölf noch lebenden Wale wurden am Donnerstag eingeschläfert.

Die Tiere waren am Mittwoch nahe einer Flussmündung entdeckt worden. Viele trieben schon bewegungslos im seichten Wasser oder lagen im Sand. Helfer versuchten verzweifelt, die noch lebenden Wale zurück ins offene Meer zu bugsieren – ohne Erfolg. Die zuständige Meeresschutzbehörde DOC erklärte die Bemühungen schließlich für gescheitert. In Absprache mit Vertretern der Maori-Einwohner, die in der Region zuhause sind, wurden die Tiere eingeschläfert.

Immer wieder Strandungen

„Wir haben alles versucht“, sagte DOC-Sprecher Wayne Costello. „Die Helfer haben sie aufgerichtet, sie gekühlt und vor der Sonne geschützt.“ Die schwere See und die Lage der Lagune hätten verhindert, dass die Tiere zurück ins offene Meer gelangten. Costello sprach von einer „schwierigen Entscheidung“. Auch Tierschützer seien beteiligt worden. Grindwale, auch Pilotwale genannt, werden bis zu acht Meter lang und erreichen ein Gewicht von bis zu drei Tonnen.

In Neuseeland und im benachbarten Australien kommt es immer wieder vor, dass sich Wale an Strände verirren. Erst vor knapp zwei Wochen waren mehr als 150 Wale an der australischen Westküste in einer Bucht südlich der Großstadt Perth gestrandet, die meisten von ihnen Kurzflossen-Grindwale. Im vergangenen Jahr hatte es in Neuseeland ein Massensterben von rund 300 Walen gegeben, und zwar bei Farewell Spit, einer Landzunge im äußersten Norden der Südinsel an der Golden Bay.

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Krankes Leittier oder Strömung

Experten rätseln noch, wie es dazu kommt. Die Walschutzorganisation Projekt Jonas vermutet als eine Ursache, dass ein verletztes oder krankes Leittier seinen Orientierungssinn verliert und die anderen ihm folgen. Möglich sei auch, dass die Wale in eine ungünstige Strömung geraten oder auf der Flucht vor Räubern in zu flaches Wasser gelangen.

Grindwale leben in Gruppen mit ausgeprägter Sozialstruktur. Sie folgen immer einem Leittier, meist einem Männchen. Grindwale wurden einst intensiv bejagt, viele Bestände brachen zusammen. Heute ist die Verschmutzung der Meere eine große Gefahrenquelle, weil sich in den Organen und der Speckschicht der Tiere viele Umweltgifte anreichern. (APA/dpa)