Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 02.05.2018


Sensationsfund in Tirol

Nachtfalter aus Fließ lässt Puls der Experten höher schlagen

Schmetterlingsforscher Huemer entdeckte den österreichweit einzigartigen Eulenfalter „Autophila dilucida“ in Fließ und spricht von Sensationsfund.

Forscher Peter Huemer (l.) und Naturpark-Geschäftsführer Ernst Partl aktivieren eine Schmetterlingsfalle.

© NPKForscher Peter Huemer (l.) und Naturpark-Geschäftsführer Ernst Partl aktivieren eine Schmetterlingsfalle.



Fließ – Wissenschaftliches Interesse führt den Biologen und Schmetterlingsforscher Peter Huemer seit mehr als 20 Jahren in den Naturpark Kaunergrat – speziell zu den geschützten Fließer Trockenrasenhängen. So schnell wie kürzlich ist seine Pulsfrequenz schon lange nicht mehr angestiegen. „Es gibt nur mehr ganz wenige Funde, bei denen ich noch Luftsprünge mache“, bemerkte er. „Doch dieses Mal war es wieder so weit“, gestand der im Landesmuseum Ferdinandeum tätige Forscher.

Huemers Begeisterung gilt einem speziellen nächtlichen Fund. Die Rarität mit Lebensraum in den Fließer Trockenrasenhängen trägt den lateinischen Namen „Autophila dilucida“. Es ist ein Nachtfalter aus der Familie der Eulenfalter. Besonders spannend: Es handelt sich um das bisher einzige Vorkommen dieses Schmetterlings in Österreich.

Der nachtaktive Eulenfalter „Autophila dilucida“ hat seinen Lebensraum im Fließer Trockenrasen-Schutzgebiet.
Der nachtaktive Eulenfalter „Autophila dilucida“ hat seinen Lebensraum im Fließer Trockenrasen-Schutzgebiet.
- NPK

Erfreut zeigt sich auch Ernst Partl, Geschäftsführer des Naturparkvereins Kaunergrat. Er stellt fest: „Für uns ist dieser Fund eine Bestätigung dafür, dass sich unsere Bemühungen für den Erhalt der Trockenrasen im Natura-2000-Schutzgebiet der Fließer Sonnenhänge bezahlt gemacht haben. Und dass wir nicht zu spät gekommen sind.“

Experte Huemer rückte in der Nacht aus, weil der Großteil der Artenvielfalt erst beim nächtlichen Anlocken der Tiere mit speziellen UV-Lampen erfasst werden kann. „Etwa 90 Prozent aller Schmetterlinge sind nachtaktiv“, weiß er.

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Die nach 28 Jahren erstmals wiederentdeckte Fließerin „Autophila dilucida“ ist, so der Experte, eine ausgewiesene Nahrungsspezialistin. „Ihre Raupen ernähren sich in Fließ ausschließlich vom Esparsetten-Tragant. Das ist eine für die Sonnenhänge charakteristische Pflanzenart.“

Unter Forschern und Naturfreunden gilt Fließ als absoluter Hotspot der Schmetterlingsvielfalt im Ostalpenraum. Aktuell werden mehr als 1100 verschiedene Arten für das Gebiet gelistet. Verantwortlich für diesen Naturschatz sind vor allem die Trockenrasen südlich des Dorfes, Lebensraum von zahlreichen Spezies und Raritäten.

In der Pionierzeit des Ende der 90er-Jahre gegründeten Naturparkvereins stand es schlecht um die Fließer Sonnenhänge. Nachdem die Bauern die Beweidung aufgegeben hatten, kam es zu Verbuschung und Degradierung der Flächen. Doch ab 2001 ist es gelungen, große Teile der Sonnenhänge als Naturschutzgebiet auszuweisen. Seither werden die Flächen durch gezielte Beweidung in Kooperation mit den Fließer Weideberechtigten offengehalten und gepflegt.

„Gemeinsam mit den Weidegemeinschaften hat die Gemeinde Fließ rund 20.000 Euro investiert“, sagt Naturparkobmann BM Hans-Peter Bock. „Wir haben 15.000 Meter Zaun errichtet und 30 Hektar Gebüsch entfernt.“ Zu danken habe er der Abteilung Umweltschutz des Landes. Das Management der Fließer Sonnenhänge ist, so Bock, „eine ständige Gratwanderung zwischen Überweidung und Verbuschung. Weil bestimmte Pflanzenarten gefördert werden müssen. Dass das gelungen ist, zeigt auch der sensationelle Schmetterlingsfund.“ (TT, hwe)