Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 04.07.2018


Tirol

Pfundser Bär dürfte Tirol verlassen haben

Der Bär, der in den vergangenen Tagen in Landeck sein Unwesen getrieben hat, ist offenbar nicht mehr in Tirol. Am Sonntag hatte ein Tiroler noch erste Fotos des Tieres geschossen.

© Sandro ThöniDer Pfundser Bär ist kein Phantom mehr: Hier streift der Bär durchs Gras.



Pfunds — Der Bär, der vergangene Woche mehrere Bienenstöcke im Bezirk Landeck zerstört hatte, dürfte Tirol in Richtung Engadin verlassen haben. Diesen Schluss ließen Informationen aus der Schweiz zu, teilte das Land am Mittwoch mit. Im Dreiländereck Tirol-Südtirol-Graubünden sei grundsätzlich mit dem Auftreten von Bären zu rechnen, hieß es.

"Wir haben nach wie vor keinen genetischen Nachweis und können daher auch nicht sagen, um welches Individuum es sich handelt", erklärte Martin Janovsky, Beauftragter des Landes für große Beutegreifer. Alle Hinweise deuteten jedoch darauf hin, dass der Bär scheu ist und den Kontakt zu Menschen meidet. Die Bezirkshauptmannschaft Landeck werde den Gemeinden ein Merkblatt zur Verfügung stellen.

Merkblatt wird an Gemeinden verteilt

Die Einhaltung allgemeiner Verhaltensregeln — wie etwa bei Wanderungen keine Essensreste liegen zu lassen — trägt dazu bei, dass Bären Menschen nicht als Nahrungslieferanten erkennen, berichtet das Land Tirol in einer Aussendung. „Darüber hinaus wird die BH Landeck den Gemeinden in Kürze ein Merkblatt zur Verfügung stellen", kündigt Bezirkshauptmann Markus Maaß an. Dieses wird neben Informationen zum Vorgehen bei Sichtungen und Schäden auch grundsätzliche Verhaltensregeln enthalten.
Der Bär hat während seines Aufenthalts in Tirol dreimal Bienenstöcke geplündert, zweimal davon im Radurschltal auf fast 2.000 Metern Höhe und einmal im Nahbereich der Kajetansbrücke im Gemeindegebiet von Pfunds. Seit Beginn dieser Woche habe es jedoch keine weiteren Hinweise auf durch einen Bären verursachte Schäden gegeben, teilte das Land mit. Imker und Nutztierhalter werden dennoch weiterhin um besondere Aufmerksamkeit gebeten.

Tiroler machte erste Fotos des Bären mit Handykamera

Seit Sonntagabend ist der Pfundser Braunbär indes kein Phantom mehr: Es gibt ihn leibhaftig. Der junge Jäger Sandro Thöni hat ihn gesichtet und Bilder mit der Handykamera gemacht: „Ich war gegen 20 Uhr im Ortsteil Kobl unterwegs und wollte einen Rehbock jagen. Plötzlich habe ich den Bären auf etwa 100 Meter Entfernung am Waldrand liegen gesehen. Er stand auf und verschwand."

Minuten später stieg Thöni auf den Hochstand. „Er kam abermals in Sichtweite." Mit Hilfe seines Fernrohres und der Handykamera gelangen dem Weidmann die ersten Aufnahmen des (noch namenlosen) Pfundser Bären. „Meinen Jagdabend habe ich dann aber abgebrochen", schilderte der Augenzeuge. Imker Herbert Hueber, dem der Bär vor zehn Tagen den Wanderbienenstock im Radurschl in 1900 m Seehöhe geplündert hatte (die TT berichtete), musste am 1. Juli einen weiteren Beutezug feststellen: „Ein paar Kilo Almrosenhonig sind weg, wieder hat er mir Schäden beschert." Den Humor hat Hueber trotzdem nicht verloren: „Wir haben ein Wandergebiet zur Entschleunigung. Jetzt haben wir auch eines zur Beschleunigung. Wenn der Bär kommt, ist Beschleunigung angesagt."

Für Bürgermeister Rupert Schuchter hört sich der Spaß allerdings auf: „Der Bär hat seine Spuren auch am Dorfrand hinterlassen. Das ist inakzeptabel. Unweit der neuen Via-Claudia-Radbrücke beim Campingplatz hat er einen weiteren Bienenstock geplündert. Da sind Wanderer und Kinder unterwegs." Er erwarte jetzt rasch „eine klare Entscheidung des Bärenanwalts zur weiteren Vorgangsweise". Für die TT war Bärenanwalt Martin Janovsky am Dienstag nicht erreichbar.

Nachdem der Bär sich aber nicht mehr in Tirol aufhält, dürfte sich die Angelegenheit vorerst jedoch erledigt haben. (hwe/TT.com)

Der Pfundser Braunbär hält das Dorf derzeit in Atem, seine Lust auf Honig ist groß.
- Herbert Hueber