Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.07.2018


Bezirk Schwaz

Schwaz ist Tirols Zentrum für seltene Turmdohlen

Die Turmdohle ist tirolweit vom Aussterben bedroht. Warum es in Schwaz erstaunlich viele gibt, hat eine Studentin genauer beleuchtet.

© Reinhard HölzlZwei junge Turmdohlen. Markant sind ihre hellen Augen.



Von Angela Dähling

Schwaz – Sie trägt den Namen Silber- und Knappenstadt. Doch Schwaz könnte sich genauso gut auch Dohlenstadt nennen. Denn nirgends in ganz Tirol gibt es so viele Turmdohlen wie in der Bezirkshauptstadt. Dieses Phänomen wurde jetzt auch wissenschaftlich näher beleuchtet: Im Zuge ihrer Diplomarbeit hat die Stubaierin Anna Reichsöllner die Dohlen in Schwaz näher erforscht.

„Es gibt in Schwaz 34 bis 40 Brutpaare. Rund die Hälfte dieser Turmdohlen brütet in einem bestimmten Wohngebäude in der Swarovskistraße“, informiert Reichsöllner. Dass rund 80 Exemplare der bedrohten Vögel in Schwaz beheimatet sind, sei bemerkenswert, zumal die Population sonst tirolweit immer weiter abnimmt und die Vögel lediglich noch vereinzelt etwa in Innsbruck, Hall und Rattenberg zu entdecken sind. Die vom Aussterben bedrohten Turmdohlen nisten in Gebäude-Nischen bzw. etwa menschenkopfgroßen Löchern, die sie in Neubauten nicht mehr vorfinden. „Als Schwazer Besonderheit aber gilt das Nahrungsangebot für die Vögel. „Die Felder und Misthaufen der Bauern in der Umgebung bieten ihnen reichlich Futter in Form von Insekten“, sagt Reich­söllner.

Turmdohlen sind nicht mit den Alpen- oder Bergdohlen zu verwechseln, die im Winter in riesigen Schwärmen in Schwaz residieren. „Alpendohlen brüten in den Bergen, wo sie den Sommer verbringen“, weiß der Schwazer Vogelkundler und Fotograf Reinhard Hölzl. „Die Bergdohle ist größer als die Turmdohle, hat einen gelben Schnabel und orange Füße. Sonst ist sie schwarz“, erklärt Reichsöllner. „Die Turmdohlen haben einen grauen Nacken, auffallend helle Augen sowie einen unverwechselbaren hellen, schnallend-gackernden Ruf.“

BM Hans Lintner und Umweltreferent Hermann Weratschnig betonen: „Die Vögel, ihre Lebensräume und Brutplätze sind geschützt.“ Unlängst wurde im Rahmen der Entente Florale auch dazu beigetragen, durch Nistkästen die Population der Mauersegler in Schwaz wieder zu erhöhen. Und bereits vor 30 Jahren wurde Schwaz durch die Initiative von Reinhard Hölzl Vorreiter im naturverträglichen Kampf gegen die Taubenkotplage.

Hölzl fertigte damals 14 Nistkästen für Turmfalken – die natürlichen Feinde der Tauben – an. Längst sind alle besetzt. „Inzwischen gibt es rund 17 Falkenpärchen in Schwaz und die Tauben meiden die Stadt“, weiß Hölzl. „Die Turmfalken verstehen sich aber mit den Turmdohlen. Sie nisten oft im selben Gebäude. Und wo heuer ein Falke nistet, könnte im nächsten Jahr eine Turmdohle brüten.“

Reinhard Hölzl, Hermann Weratschnig, Anna Reichsöllner und BM Hans Lintner (v. l.) informierten über die Schwazer Dohlenpopulation.
- Dähling



Kommentieren


Schlagworte