Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 13.07.2018


Bezirk Imst

Milser Falkenbrut ist kerngesund und bald flügge

Ein Livestream auf „milsimbild.at“ dokumentiert das Heranwachsen der Milser Turmfalken. In drei Wochen sind sie flugfähig.

© TilgDas Weibchen bringt eine Maus, die es noch für die Jungen zerteilen muss.Foto: Gerhard Tilg



Von Agnes Dorn

Mils – Vor zehn Jahren errichteten die Milser Volksschulkinder einen Nistkasten im Kirchturm, der erst vor zwei Jahren von einem Falkenpärchen bezogen wurde. Daraufhin beschloss das Milser „Falkenteam“ rund um den Hobby-Ornithologen Christoph Grissemann, die Milser Dorfchronistin und Homepage-Betreiberin Leni Bul­lock sowie der Fotograf und Webdesigner Gerhard Tilg, die Brut und Aufzucht der Jungen filmisch festzuhalten. Gesagt, getan, doch die Kameras konnten zwar die Falken beim Nestbezug und bei der Brut filmen, doch aus den Eiern schlüpfte leider nichts.

Für heuer beschloss man, das ganze Projekt als wissenschaftlich fundiertes und vom Regionalmanagement und der Gemeinde Mils gefördertes Vorzeigeprojekt mit professioneller Technik fortzuführen. In den Turm wurden vier Videokameras installiert und mit Internetanschluss versehen.

„Die erste Aufgabe des Projekts ist es, die lokale Schuljugend und jene des Bezirks auf die Falken aufmerksam zu machen und bei ihnen die Achtsamkeit für die Natur zu wecken. Die Schüler der Volksschule Mils sind bereits mit Begeisterung dabei“, sieht Grissemann den wichtigsten Nutzen des Projekts in der pädagogischen Vermittlung eines Verständnisses für die Natur. Am 19. April war es dann so weit und das Falkenweibchen tauchte erstmals auf. Eingezogen ist das Falkenpärchen dann Mitte Mai. Von Beginn an konnten der Einzug, das Eierlegen und die Brut von den Internetnutzern auf milsimbild.at live mitverfolgt werden. Im Abstand von jeweils zwei Tagen legte das Weibchen insgesamt vier Eier, die es in den folgenden 30 Tagen ausbrütete.

„Das Männchen beteiligt sich heuer kaum beim Brüten, im Gegensatz zum letzten Jahr. Das lässt vermuten, dass es sich nicht um dasselbe Falkenpaar handelt“, zog das Falkenteam bereits erste Schlüsse aus den Beobachtungen.

Innerhalb von drei Tagen schlüpften dann die vier Jungen. Beobachtet wurden sie dabei auch von den begeisterten Schülern der Volksschule, die das große Ereignis am Bildschirm mithilfe der vier installierten Kameras live miterleben durften. Das Falkentagebuch, welches die Schüler angelegt haben, soll auch über die Sommerferien hinaus ergänzt werden, so der Plan. Alle Übertragungen sind jederzeit auf der Homepage abrufbar und die Hintergrundinformationen werden laufend aktualisiert. Als letztes Update konnten die Besucher erfahren, dass an den Falkenjungen bereits die ersten Federkiele aus dem weißen Daunenkleid herauswachsen. „Das ist jetzt schon deutlich zu sehen und allmählich verlieren sie den weißen Flaum“, berichtet Grissemann. „Letzte Woche haben sich noch alle vier eine Maus geteilt. Jetzt versuchen sie schon, eine ganze Maus auf einmal zu schlucken“, zeigt er sich begeistert vom Entwicklungsfortschritt der Jungen.

In etwa drei Wochen werden die jungen Falken, einer nach dem anderen, flugbereit sein. Von ihren Eltern werden sie indes noch mindestens einen Monat lang weiter gefüttert. Ob im Nest oder außerhalb, wird man dann sehen. Im September soll der Abschlussbericht über das Projekt fertig sein. Für nächstes Jahr möchte man zudem einen Flyer als Material für weitere Schulen gestalten. Das gesammelte Videomaterial wird der Abteilung Umweltschutz in Innsbruck zur Verfügung gestellt. Bedingung für die Förderung durch das Regionalmanagement war außerdem, dass das Projekt auch in den kommenden vier Jahren fortgesetzt wird. Mit Spannung wird man dann verfolgen können, ob die Vögel wirklich wieder kommen, ob das Weibchen wiederum Eier legt und ob tatsächlich wieder Junge schlüpfen.




Kommentieren


Schlagworte