Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 13.07.2018


Osttirol

Mit den Insekten verschwinden die Schwalben

Vor Jahrzehnten saßen selbst in der Stadt Hunderte Schwalben auf den Wäscheleinen. Heute sind sie sehr selten geworden.

© Anton WeichselbraunIn Anras nehmen Mehlschwalben die Einladung gerne an und nisten unter einem Reihenhausdach



Anras – Vor wenigen Jahrzehnten gehörten Schwalben auch in Lienz zum Stadtbild, erst recht aber zu sämtlichen Bauernhöfen in den Tälern. Der Grund für den drastischen Rückgang der Vögel ist der Mensch, erklärt der Fachmann Dieter Moritz: „Schwalben fressen ausschließlich Fluginsekten. Der Mensch bringt Vertilgungsmittel aus und beraubt die Schwalben ihrer Lebensgrundlage.“ Für den Nestbau nehmen die Tiere in Schlammpfützen gelösten Lehm auf und fertigen damit geschickt ihre typischen Behausungen für die Jungvögel. Die Mehlschwalbe nutzt überdachte Standorte im Freien, während sich die Rauchschwalbe im Inneren von Häusern und Ställen ansiedelt. Schlammpfützen sind bekanntlich selten geworden. Und Stallbauten müssen heute saubere glatte Oberflächen aufweisen, auf denen Lehm nicht mehr haftet. „Die Beobachtungen der Menschen sind richtig“, sagt Moritz. „Die Zahl der Schwalben ist massiv zurückgegangen. Doch nicht erst in den letzten Jahren, schon seit Jahrzehnten gibt es diese Entwicklung.“ Früher seien die Autoscheiben übersät gewesen von Insekten. „Mit den Insekten verschwinden die Schwalben“, stellt Moritz bedauernd fest.

Rege Bautätigkeit von Mehlschwalben hat Anton Weichselbraun aus Unterpeischlach in der Osttiroler Gemeinde Anras mit seiner Kamera festgehalten. An vorstehenden Dachbalken einer Reihenhaussiedlung hängen die Nestbauten. „Hier scheint die Welt der putzigen Schwalben noch in Ordnung zu sein, denn die Lebensbedingungen dieser Tierchen werden immer schwieriger“, teilt Weichselbraun dazu mit. (bcp)

In Anras nehmen Mehlschwalben die Einladung gerne an und nisten unter einem Reihenhausdach.Foto: Weichselbraun
- Anton Weichselbraun