Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.08.2018


Exklusiv

Graureiher im Visier der Fischzüchter

Der Verwaltungsgerichtshof hat jetzt im Sinne eines Fischereiberechtigten entschieden und erlaubt zur „Hintanhaltung von Schäden“ den Abschuss von Reihern. Eine Schonfrist gibt es vorerst aber trotzdem noch.

© iStockphotoDer Verwaltungsgerichtshof erlaubt unter gewissen Voraussetzungen den Abschuss von Reihern.



Von Marco Witting

Innsbruck – Es ist eine schwierige Frage, bei der beide Seiten gewichtige und gute Argumente vorbringen können: Darf man Graureiher schießen, um den Fischbestand zu schützen? Die Bezirkshauptmannschaft Innsbruck-Land und das Landesverwaltungsgericht haben diese Frage in der Vergangenheit mit Nein beantwortet – die TT berichtete. Der Verwaltungsgerichtshof hat dies jetzt anders gesehen. Geschossen werden dürfen die Reiher vorerst aber noch nicht. Und das verursacht bei Fischzüchtern im Land weiter Schäden.

Der Reihe nach. Ein Fischereiberechtigter aus dem Bezirk Innsbruck-Land trat im Vorjahr an die BH heran, um – gestützt auf das Tiroler Jagdgesetz – zwei Reiher zu schießen, die den Fischbestand bedrohten bzw. bereits massiv dezimiert hatten. Sowohl bei der BH als auch beim Landesverwaltungsgericht gab es eine Absage dafür. Weil „es für den Abschuss von Graureihern zum Schutz von Fischbeständen im Tiroler Jagdgesetz keine rechtliche Grundlage“ gab. Damit gab sich der Fischereiberechtigte nicht zufrieden. Er ging zum Verwaltungsgerichtshof. Und erhielt dort jetzt Recht – auf Basis der europäischen Vogelschutzrichtlinie.

Diese sieht, so wie übrigens das Tiroler Jagdgesetz auch, einen Passus vor, der zur Hintanhaltung von Schäden in Fischereigebieten Maßnahmen gegen die Vögel möglich macht – selbst wenn diese ganzjährig geschont sind, wie Grau- bzw. Fischreiher. Dies kann das Tiroler Jagdgesetz auch nicht einschränken – wobei es in der Entscheidung der BH auch um eine Definitionsfrage für die Fische ging, da im Gesetz die Rede von Haus- und Nutztieren war.

Beim Fischereiberechtigten herrscht große Freude über das höchstgerichtliche Urteil. Doch wie geht es jetzt weiter? Wolfgang Nairz von der Bezirkshauptmannschaft: „Wir müssen jetzt auf eine neuerliche Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts warten und sind selber schon ganz gespannt darauf.“

Das einzelne Ansuchen des Prozessbetreibers muss jetzt laut Land Tirol noch einmal geprüft werden. Generell sei die Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofs aber eindeutig und bindend. Seitens des Landes wurden die Bezirkshauptmannschaften schon informiert und es werden Empfehlungen ausgearbeitet, wie es aus dem Landhaus heißt.

Damit könnten zur Vermeidung von massiven Schäden an Fischbeständen künftig die Reiher geschossen werden. Für Nikolaus Medgyesy, Fischzüchter aus Thaur, wäre das eine gute Nachricht. Denn den momentanen Zustand beschreibt er als „Wahnsinn“. Bis zu 14 Fischreiher haben sich etwa um seinen Zuchtbetrieb angesiedelt, wie er sagt. „Und sie verlassen natürlich den gedeckten Tisch nicht. Warum sollten sie auch?“ In Zahlen bedeutet das einen Schaden von mehreren zehntausend Euro und Tausende Fische, die insgesamt wohl gefressen wurden. Zählen könne man das genau aber ohnehin nicht. Der Züchter bemängelt rechtliche Möglichkeiten, seine Fische zu schützen. „Es ist eine Frechheit, dass wir nicht einmal als landwirtschaftlicher Betrieb gelten.“ Es würden zudem hohe Folgeschäden dazukommen, die Arbeit gar nicht eingerechnet. Wann im Klagsfall ein neuer Bescheid ergeht, das steht unterdessen noch nicht fest.