Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 22.10.2018


Bezirk Kitzbühel

Fischwanderhilfe wird ihrem Namen nicht gerecht

Die „Fischtreppe“ an der Fieberbrunner Ache in St. Johann ist versandet und verklaust. Doch niemand scheint dafür zuständig zu sein.

Hermann Honeder und Erwin Sammer (von links) kritisieren, dass die neue Fischwanderhilfe an der Fieberbrunner Ache nicht funktioniert.

© Michael MaderHermann Honeder und Erwin Sammer (von links) kritisieren, dass die neue Fischwanderhilfe an der Fieberbrunner Ache nicht funktioniert.



Von Michael Mader

St. Johann i. T. – „Jetzt bauen die so eine sündteure Fischwanderhilfe mit einem gigantischen Ausmaß und dann funktioniert sie nicht“, ärgern sich Erwin Sammer aus St. Johann und sein Kollege Hermann Honeder.

Ihr Eindruck wird bei einem Lokalaugenschein der Tiroler Tageszeitung an der Fieberbrunner Ache in St. Johann bestätigt: Baumstämme, Äste, Laub und Sand verstopfen die einzelnen Abschnitte der „Fischtreppe“.

„Es kümmert sich einfach niemand darum. An den Stammtischen in St. Johann regen sich die Leute zwar darüber auf, aber in der Öffentlichkeit will niemand etwas darüber sagen“, erklärt Sammer, der die Fischwanderhilfe sowieso für absolut überdimensioniert hält. Dem pflichtet auch Honeder bei: „Früher sind die Forellen an dieser Stelle einfach über das dortige Wehr hinaufgesprungen. Da hat es so ein Bauwerk nicht gebraucht.“

Ein Baumstamm verhindert den „Aufstieg“ von Fischen.
Ein Baumstamm verhindert den „Aufstieg“ von Fischen.
- Michael Mader

Martin Rottler, stellvertretender Leiter des Baubezirksamtes, erklärt, dass der Bau der Fischwanderhilfe der Großachengenossenschaft St. Johann im Zuge des Hochwasserschutzes an dieser Stelle der Fieberbrunner Ache vorgeschrieben worden sei. Ob das sinnvoll ist, will er nicht kommentieren.

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Der Obmann der Groß­achengenossenschaft, Ernst Schwaiger, ist über den Zustand der Fischwanderhilfe nicht glücklich: „Uns ist der Bau vorgeschrieben worden, das hat immerhin rund 200.000 Euro gekostet. Mit dem Geld hätten wir einige Meter Ufer sanieren können.“ Gebaut worden sei die Anlage bereits im Jahre 2016/17, er habe aber erst vor Kurzem ein Schreiben der Bezirkshauptmannschaft bekommen, wonach an der Anlage noch etwas geändert werden müsse. Bezüglich Instandhaltung meint Schwaiger: „Wir sind zwar die Bauherren, betreut wird die Fischwanderhilfe aber von der Gemeinde St. Johann.“

Das wiederum ist für Bürgermeister Stefan Seiwald neu: „Wer die Wartung übernimmt, ist noch nicht definiert.“ Laut ihm ist das Bauwerk noch nicht behördlich „abgenommen“ worden.

Andere Stellen sind versandet und mit Laub verstopft.
Andere Stellen sind versandet und mit Laub verstopft.
- Michael Mader