Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.02.2019


Tirol

Übergreifend wie das Wetter

Mit einem Klick zu grenzüberschreitenden, mehrsprachigen Wetterprognosen: Wetterdienste von Nordtirol, Südtirol und Trentino wollen verstärkt zusammenarbeiten.

Die Wetterdaten der drei Euregio-Länder sollen künftig zusammengeführt werden.

© ZAMG/WeyssDie Wetterdaten der drei Euregio-Länder sollen künftig zusammengeführt werden.



Von Lisa Hintner

Innsbruck – Mit gutem Grund ist das neue Euregio-Projekt nach dem mächtigen, etruskischen Wettergott „Tinia“ benannt. Dieses verfolgt nämlich das Ziel, die Wetterdienste von Nord- und Südtirol sowie dem Trentino zusammenzuführen. Grenzüberschreitend, umfassend und vereinend lautet dabei die Devise. Zu oft seien die bisher voneinander unabhängigen Prognosen der einzelnen Euregio-Länder an den Landesgrenzen nicht stimmig gewesen, sagt Projektleiter Harald Schellander von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) Tirol. Viel sinnvoller sei es, grenzüberschreitende Wetterbilder zu einem Kompositionsbild zusammenzufügen.

Ein wesentlicher Grundgedanke des Projekts leitet sich allerdings von der erfolgreich laufenden Zusammenarbeit der Lawinenwarndienste ab. So will man jetzt auch in puncto Wetterdienste an einem Strang ziehen und „damit einen Schritt weitergehen in der gemeinschaftlichen Darstellung der Europaregion“, erklärt Christoph von Ach, Generalsekretär des Euregio-Büros in Bozen. Der Plan sieht so aus: Die Wetterdaten werden zusammengeführt und auf einer gemeinsamen Internetseite präsentiert. Dann genügt ein Klick, um das Wetter in den drei Ländern der Euregio und den einzelnen Gemeinden mehrsprachig und basierend auf einheitlichen Wettersymbolen einzusehen.

„Das wäre für Touristiker, die Freizeitplanung und die Zivilschützer von Vorteil“, sagt von Ach. Aus technischer Sicht würde die Kooperation ebenso einen Mehrwert bedeuten. Systeme könnten verbessert und gemeinsam weiterentwickelt werden, ist Projektleiter Schellander überzeugt. So werde man versuchen, Computersysteme zu entwickeln, die Texte über Wetterprognosen automatisiert generieren. Das ist im ersten von insgesamt sechs Arbeitspaketen vorgesehen.

Im September des vergangenen Jahres beschlossen, lag der Projektentwurf bereits vier Monate später vor. Beteiligt waren an der Planung laut von Ach nicht nur die Wetterdienste von Südtirol und dem Trentino, sondern auch die ZAMG Tirol. Sie alle würden mit einem Eigenanteil von 30 Prozent dazu beitragen, die Kosten von ungefähr 500.000 Euro zu stemmen. Die restlichen 70 Prozent würden durch Mittel der EU abgedeckt.

Ob das Projekt auf diese Art und Weise genehmigt werden kann, wird sich bis Ende Mai zeigen. Christoph von Ach gibt sich jedenfalls zuversichtlich. Egal, wie die Entscheidung ausfällt, die Zusammenarbeit zwischen den Wetterdiensten definiert er so oder so als vorrangiges Euregio-Ziel.

Auch die Ambitionen des Landes Tirols gehen über das eingereichte Interreg-Projekt hinaus. Dort sind Diskussionen über grenzüberschreitende Wetterradare entbrannt. Ziel sei es, entlegene Gebiete wie Osttirol oder das Pustertal mit einem Radar zu versorgen, erklärt Schellander. Derzeit sei es nämlich so, dass Niederschlagsprognosen nur dort erfasst werden können, wo keine Hindernisse stehen, also eine direkte Sichtverbindung zum Radargerät besteht – auf dem Patscherkofel zum Beispiel, oder auf der Mendel. Eines steht für Schellander aber schon jetzt fest: Ein derartiges Projekt könnte sich ein Land wie Österreich allein nicht leisten.




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